Wie aus einer anderen Welt – Côte de Granit Rose

Eigentlich könnte man annehmen, dass ich mich während unserer Reise durch die Normandie und die Bretagne mittlerweile daran gewöhnt haben müsste, von beeindruckender Natur überrascht zu werden. Die vorangegangen zwei Wochen waren, was das angeht, bereits erfüllender und abwechslungsreicher als ich das jemals vor Reiseantritt gedacht hätte. Aber die Natur schafft es wie kaum etwas anderes, mir immer wieder auf Neue das Gefühl zu vermitteln, als würde ich gerade eben das erste Mal einen Fuß auf diese Erde setzten. Manches scheint mir sogar, als könne es nicht von dieser Welt sein, wie die in Größe, Form und Farbe so unwirklich aussehenden Gesteinsformationen an der Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne.

Côte de Granit Rose –  Rundwanderung um die Île Grande

Während der gesamten Fahrt von Concarneu an der Südwestküste der Bretagne bis zu unserem nächsten Reiseziel, die Côte de Granit Rose, hörte es nicht auf zu regnen. Die Straßen wurden immer schmaler und irgendwann ging es nicht mehr weiter. Wir hatten unser Ziel erreicht. Ein hundefreundliches Hotel, das sich kurioserweise mitten auf einem Golfplatz befand, sollte für die nächsten zwei Tage unser Domizil sein. Es regnete immer noch als wir unser winziges Zimmer bezogen. Die Wettervorhersage versprach Besserung für den späten Nachmittag.

Ob es heute wohl noch aufhört zu regnen?

Tatsächlich brach der Himmel auf. Und wir konnten vom Hotel aus weit über den Golfplatz hinweg bis zum Meer blicken. Die Rosa Granitküste gehört zu den bekanntesten Küstenabschnitten der Bretagne. Zwischen den Ortschaften Perros-Guirec und Ploumanc’h leuchten die Granitfelsen in besonders vielen rosafarbenen Tönen. Dieses Highlight hatten wir für den nächsten Tag geplant. Heute wollten wir uns nur noch kurz die Beine vertreten. Wir fuhren auf die nahe gelegene Île Grande, die man auf einer etwa sechs Kilometer langen Wanderung umrunden kann. Dort angekommen strahlte die Sonne vom blauen Himmel.

Golfen mit Blick auf das Meer – irgendwann vielleicht mal 😉
Bobby beim Wassertreten auf der Île Grande

Wie sollte es auch anders sein in der Bretagne. Kaum waren wir auf der Île Grande aus dem Auto ausgestiegen, befanden wir uns auch schon auf dem Zöllnerpfad. Um jede noch so kleine Bucht und Insel führt dieser insgesamt fast 2000 Kilometer lange Küstenwanderweg. Und das ist wunderbar und mit Hund sowieso. In der gesamten Bretagne kann man Auto- und Fahrradfrei immer entlang der Küste spazieren gehen, natürlich auch auf der kleinen Île Grande hier an der Côte de Granit Rose.

Ganz ruhig liegt das Meer da.
Wenig später an der Nordküste der kleinen Île Grande wurde die See rauer.

 

Cote de Granit Rose – sagenhaft und unwirklich zwischen Perros-Guirec und Ploumanc’h

Am Abend war der Parkplatz vor unserem Hotel voll. Das Golfhotel war ausgebucht. Zwischen kleinen, bunten Flitzern und gemütlich daliegenden Oldtimern steuerten wir mit unserem staubigen Kombi in eine der letzten Lücken. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und waren dennoch fast die letzten am Frühstücksbuffet. Die ganzen Golfer mit ihren bunten Pullovern und noch bunteren Hosen (und den bunten Flitzern vor dem Hotel) waren bereits im Aufbruch. Kurze Zeit später sahen wir sie von den Panoramafenstern des Frühstücksraums aus mit ihren Wägelchen Richtung Golfplatz rollen.

Golfer-Wägelchen 😉

Eine Wanderung auf dem Zöllnerpfad zwischen den Ortschaften Perros-Guirec und Ploumanc’h (ich weiß bis heute nicht wie man dieses „c’h“ ausspricht…) ist quasi ein „Must-Do“ an der Rosa Granitküste. Das ist in allen einschlägigen Reiseführern nachzulesen. Natürlich machten wir das auch. Und natürlich war hier mehr los als anderswo. Aber dieser Küstenabschnitt ist so faszinierend, dass man fast alles um sich herum vergisst. Die Granitfelsen, die es hier an der gesamten Küste gibt, haben nur in diesem Abschnitt diese besondere rosa-rot-orange-Färbung. Übereinander gestapelte Gesteinsbrocken scheinen schwerelos und wie aus Pappmaché geformt. Felsen liegen wie riesige bunte Kieselsteine da, als wären sie gerade eben vom Himmel gefallen. Ich fühlte mich wie inmitten eines großen Kunstwerks. Eine perfekte Installation – geschaffen von der Natur.

Wie riesige Kieselsteine …
… oder Zwerge in einer Welt der Riesen
Stillleben mit Bobby

Eine kleine Kuriosität: Das Haus zwischen den Felsen

Die Region an der Côte de Granit Rose hat bestimmt noch so viel mehr zu bieten. Aber leider neigte sich unser Urlaub bereits dem Ende, so das wir nach zwei Nächten in dem Hotel auf dem Golfplatz schon wieder unsere Taschen packen mussten. Die letzte Station unserer Reise durch die Bretagne und die Normandie lag vor uns: Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Normandie, die Klosterinsel Mont Saint Michel. Aber auf dem Weg dorthin machten wir noch Halt, um ein anderes, über die Region hinaus bekannten Fotomotiv, zu besuchen, „das Haus zwischen den Felsen“ bei Plougrescant am nördlichsten Zipfel der Bretagne.

Unterwegs auf dem Zöllnerpfad …
… ganz im Norden der Bretagne – am „Le Geoffre“…
… steht „das Haus zwischen den Felsen“ – ein echtes Postkartenmotiv 😉
Die ältere Dame aus Paris, die das Haus für ein paar Tage im Jahr bewohnt muss wohl damit leben, dass ihr Haus zahlreiche Fotoalben ziert 😉

An diesem sonnigen und sehr heißen Tag waren wir tatsächlich froh, als wir nach unserer kleinen, etwa fünf Kilometer langen Wanderung wieder im klimatisierten Auto saßen. Es ging weiter (oder besser wieder, hier geht es zur Story) Richtung Normandie. Die nächsten zwei Tage sollten der Klosterinsel Mont Saint Michel gehören. Ob wir diesen Besuchermagneten überhaupt mit Hund besuchen konnten, wie das Wetter mitgespielt hat, so dass ich ein paar schöne Fotos schießen konnte und was eigentlich der Flutkalender (am Mont Saint Michel gibt es Tidenhube weit über 10 Meter) für die folgenden Tage vorausgesagt hat – all das verrate ich im nächsten Beitrag meiner kleinen Frankreich-Serie. Salut und a bientôt!

Bretagne zum Nachreisen: Unsere drei Wanderungen an der Côte de Granit Rose

Hier waren wir:

Hier geht es zu den GPS-Daten meiner Komoot-Aufzeichnungen unserer Wanderungen an der Côte de Granit Rose:

Wanderung 1: Rund um die Île Grande

Wanderung 2: Wanderung an der Rosa Granitküste von Perros-Guirec nach Ploumanc’h

Wanderung 3: Haus zwischen den zwei Felsen und Le Geoffre bei Plougrescant


16 Gedanken zu “Wie aus einer anderen Welt – Côte de Granit Rose

    1. Ich habe gerade nochmal durch deine Artikel aus der Bretagne geblättert. Ich habe die ja eigentlich auch schon vor meiner Reise begeistert und auch amüsiert gelesen. Aber ich konnte mir einfach nicht (und eigentlich bis heute noch nicht) die Ortsnamen in der Bretagne merken, so dass ich erst jetzt so richtig zuordnen kann, wo ihr genau ward. Die Gegend ist echt schön und in der Vorsaison im Juni war auch gar nicht so viel los, was bei euch ja anscheinend ein wenig anders war. Ich kam also gar nicht in die Versuchung, jemanden wegretuschieren zu müssen 😉

      Gefällt 2 Personen

  1. Auch wenn ich mich wiederhole: immer wieder toll, deine Fotografien und Reiseberichte! Der große Braune wirkt auf einigen Bildern wie ein Teil der Kunstinstallation. Ich kann schon sehr gut verstehen, dass es euch bald wieder in diese Region zieht…
    So, liebe Andrea, ich muss mich kurz fassen, hab hier noch ein bisschen zu tun und verbleibe mit einem freudigen à bientôt, verbunden mit der Hoffnung, dass du deine Frankreich-Serie ggf. für einen weiteren Lüneburger-Heide-Bericht unterbrichst 😉
    Ganz liebe Grüße,
    Natascha

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Natascha, du denkst mal wieder meine Gedanken 😉 Ich wollte nämlich unbedingt noch schnell den Artikel über die Côte de Granit Rose raushauen, damit ich den Kopf frei habe, für einen Bericht über unser baldiges Treffen in der Lüneburger Heide. Es gibt ja auch noch mehr im Leben als die Bretagne. Aber mir ist es einfach ein inneres Anliegen, der ganzen Welt mitzuteilen, wie toll ich es dort finde, obwohl es sonst gar nicht mein Ding ist, so lange Zeit später über meine Reiseerlebnisse zu schreiben. Ich freue mich auf jeden Fall schon mega auf unser Treffen und natürlich darauf, dich dann virtuell auf deiner Schweden-Reise zu begleiten. Ganz liebe Grüße und à bientôt, Andrea

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    1. Ja, das ist es! Der See vor dem Haus ist wohl während eines Sturms durch besonders hohe Wellen entstanden, die das Haus umspült haben und dann nicht mehr zurückfließen konnten. Wahrscheinlich saßen die Bewohner währenddessen gemütlich am Kamin, durch die Felsen perfekt geschützt 😉

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  2. Einfach nur super Aufnahmen und ein toller Bericht. Du gibst dir da so viel Mühe und machst auch viel mehr Fotos als ich. Wir waren auch dort, aber nur im Vorbeifahren, leider! Drei Wochen reichen einfach nicht für die Bretagne. Es gibt viel zu viel zu sehen und zu bestaunen. Deshalb freue ich mich hier nochmal nachlesen zu können und auch Bilder anzuschauen. Herzliche Grüße, Sigrid

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    1. Vielen Dank, liebe Sigrid, für dein tolles Kompliment! Ich fotografiere einfach gerne und entwickele da auch einen gewissen Ehrgeiz. Manchmal muss ich mich sogar etwas bremsen, um nicht zu viel Zeit da reinzustecken und einfach nur mal in die Landschaft zu gucken 😉 Ich finde deine Berichte aber auch sehr inspirierend, haben sie doch mit dazu beigetragen, dass wir tatsächlich in die Bretagne gefahren sind. Und ja! Drei Wochen sind viel zu kurz. Deswegen haben wir schon wieder gebucht: Zwei Wochen über Silvester 😀😀😀

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    1. Ich hätte auch nie gedacht, dass es in der Bretagne so schön und so abwechslungsreich ist. Für Fans der Küste wirklich ein Traum, würde ich sagen. Und das Gute (für Dich): Es kommt einem gar nicht vor, als wäre man im Süden. Die Landschaft ist rau und wild, nur die Temperaturen sind etwas milder und es regnet vielleicht nicht ganz so oft 😉

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