Elversstein und Steinbergkopf [Lieblingsplätze im Harz]

Gleich eine Hand voll Lieblingsplätze im Harz würden mir einfallen, schrieb ich als ich meine neue Blogserie vor fast zwei Jahren ins Leben rief. Der Aussichtspunkt am Elversstein, wo man die Harzer Schmalspurbahn dabei beobachten kann, wie sie aus einem Tunnel auftaucht und dann sehr fotogen über mehrere Kehren den Brocken hinaufdampft, gehörte schon damals dazu. Aber wer auf der kleinen Runde oberhalb von Wernigerode nur bis zum Elversstein geht, der verpasst die noch bessere Aussicht mit einem wunderbaren Picknickplatz etwas weiter oben am Steinbergkopf. Es wird höchste Zeit, diesen beiden Lieblingsplätzen im Harz einen Artikel zu widmen.

Elversstein und Steinbergkopf: Fotospots für die Harzer Schmalspurbahn

Fast nirgendwo im Harz hat man einen besseren Blick auf die Harzer Schmalspurbahn wie am Elversstein und am Steinbergkopf oberhalb von Wernigerode. Fast unwirklich – wie eine Spielzeugbahn in einer Spielzeuglandschaft – sieht es aus, wenn sich die knallrote Eisenbahn gegenüber am Berghang durch den Wald schlängelt und eine lange Dampfwolke hinter sich herzieht. Klar, dass gerade der Elversstein, der auch eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel ist, nicht nur für (Hobby-) Fotografen kein Geheimtipp ist.

Einige Male war ich schon dort oben. Jedes Mal begleitete mich während des knapp zwei Kilometer langen Aufstiegs das ferne Tuten und Schnaufen der Dampflock. Und jedes Mal beschleunigte ich den Schritt, da ich auf keinen Fall den Moment verpassen wollte, wie die Brockenbahn aus dem Tunnel ausfährt, um dann einmal um den Bergsporn herum zu rattern, bevor sie dann nach wenigen Minuten (Sekunden?) wieder im Wald verschwindet. Mehrfach am Tag fährt die Harzer Schmalspurbahn den Brocken hoch und runter. Die Chancen stehen gut, sie zu erwischen. Trotzdem konnte ich mich nie zurückhalten, die letzten Meter hoch zu rennen.

Warten auf die Harzer Schmalspurbahn …
… oh, nur ein kleiner Triebwagen kommt aus dem Tunnel.

Winter im Harz: Chaos auch ohne Corona

Heute renne ich nicht. Wir stapfen langsam und vorsichtig durch den Schnee. Der Winter hat den Harz seit Anfang des Jahres fest im Griff. Das übliche Chaos, das der selten gewordene Schnee im Harz regelmäßig auslöst, wird dieses Jahr durch Corona noch verschärft. Jeden Tag wird davor gewarnt, in den Harz zu fahren – zu viele Menschen, zu wenig Abstand. Ich meide normalerweise auch ohne Corona die sogenannten Wintersportorte im Harz. In diesem Jahr hat es bis in die tiefen Lagen geschneit. Es gibt keinen Grund, in das Gedrängel rund um Torfhaus und Braunlage zu fahren, um Schnee zu sehen. Und so knirscht an diesem Sonntag im Januar der Schnee bereits unter unseren Füßen als wir in Wernigerode-Hasserode aus dem Auto steigen. Unsere Wanderziele sind die Aussichtspunkte Elversstein und Steinbergkopf. Aber heute höre ich nicht mit mindestens einem Ohr nach dem Tuten der Brockenbahn. Seit des (erneuten) Lockdowns fährt keine Bahn auf den Brocken. Diesmal sind wir einfach deswegen hier, weil die vor uns liegende Runde kurz und sonnig ist.

Winterwanderung bei Wernigerode: tiefverschneiter Wald und sonniger Panoramablick

Auf schmalen Pfaden steigen wir in dem wunderbar lichten und tief verschneiten Mischwald oberhalb von Wernigerode bergauf. Bobby steht unter Anspannung. Im Schnee scheint er nur eins zu kennen: Vollgas. Und das verträgt sich nicht gut mit der Leine, besonders auf vereisten Wegen. Es ist kein Mensch weit und breit und ich lasse ihn frei. Er zischt davon, springt über den Schnee, entdeckt eine Spur und verschwindet im Unterholz. Ich hatte es befürchtet. Wir rufen und pfeifen einmal – kein Bobby in Sicht. Dann sind wir ganz ruhig und gehen unauffällig in die andere Richtung zurück. Bisher hat das immer funktioniert. Auch jetzt. Nach wenigen Sekunden kommt er aus dem Gebüsch gesprungen. Seine Sorge uns zu verlieren, war doch größer als der Ruf der Wildnis. Jetzt geht es erst mal angeleint weiter. Bobby zeigt sich etwas zerknirscht und bekommt wahrscheinlich nur am Rande mit, wie herrlich die Sonne durch die Bäume blitzt und der dicke Schnee im Gegenlicht in den Augen blendet.

Picknickplatz am Steinbergkopf: Lieblingsplatz auch ohne Brocken und Harzer Schmalspurbahn

Verschiedene Wege führen hier nach oben. Erst folgten wir der Ausschilderung Elversstein, dann dem „steilen Weg“ Richtung Steinbergkopf, denn das ist unser erstes Ziel. Oben angekommen, treten wir aus dem Wald heraus und vor uns liegt der herrliche Picknickplatz mit Panoramablick Richtung Brocken, der sich heute allerdings im Nebel versteckt. Stille umgibt uns. Kein Dampfen und Rattern der Harzer Schmalspurbahn versetzt mich in Stress. Keine Kamera ist in Bereitschaft. Über uns strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Wir schauen in die Landschaft, die gleich und später noch genauso schön ist, um fotografiert zu werden.

Der Picknickplatz …
… am Steinbergkopf
… auch ohne Brockenblick …
…. sehr schön!

Aussichtspunkt am Elversstein: Rutschpartie zur Stempelstelle der Harzer Wandernadel

Vom Steinbergkopf gehen wir weiter über die Anhöhe durch tiefen Fichtenwald Richtung Elversstein. Hier ist es schattig und der Schnee liegt dick auf den Bäumen. Aber der Weg ist gut gespurt. Es waren schon einige hier unterwegs.

Bald lichtet sich der Wald und tief unter uns sehen wir den Aussichtspunkt und die Stempelstelle der Harzer Wandernadel am Elversstein liegen. Es ist verrückt. Egal wie einsam man auf einer Wanderung im Harz unterwegs ist, an den Stempelstellen trifft man immer jemanden. Zwei Personen blicken zu uns hoch als wir „huch“ und „Vorsicht“ rufen. Der Schnee auf dem steilen Pfad ist völlig vereist und wir müssen uns mit beiden Händen am Geländer festhalten, um nicht direkt auf dem Hosenboden runterzurutschen. Wenn man so wenige Menschen trifft, freut man sich um so mehr und wir schauen alle gemeinsam (mit Abstand!) noch mal rüber Richtung Brocken (im Nebel) bis wir uns verabschieden. Erst später fällt mir auf, dass ich diesmal gar kein Foto vom Elversstein gemacht habe.

Da geht es runter …
… zum Elversstein. (Archivfoto aus 2019)

Wintertraum auf dem Elverssteinpfad

Auf dem Elverssteinpfad gehen wir immer leicht bergab. Hier kommen uns nun ein paar Familien mit Schlitten, Hunden und Langlaufskiern (Respekt!) entgegen, denn dieser Weg führt nicht nur zu einem meiner Lieblingsplätze im Harz, sondern ist auch selbst wunderschön. Immer wieder hat man weite Blicke Richtung Harz und Harzvorland, während die tiefstehende Sonne den Wintertraum perfekt macht. Als wir wieder in den Wald eintauchen, sind nur noch die obersten Baumspitzen beleuchtet und der Himmel zeigt bereits eine rötliche Färbung, obwohl es noch mitten am Nachmittag ist.

Am Elverssteinpfad …
… zeigt sich sogar der Brockengipfel ganz kurz.

Winterwanderung zum Elversstein und Steinbergkopf: Wenn der Weg zum Ziel wird.

Meine Lieblingsplätze im Harz sind nicht zwingend auch in eine empfehlenswerte Wanderung eingebunden, deswegen haben es viele davon bisher noch nicht in meinen Blog geschafft. Dass der Weg das Ziel sein soll, daran erinnere ich (mich) gerne immer wieder. Aber manchmal ist das Ziel das Ziel und der Weg dorthin egal. Und weil mir gleich auf Anhieb mehr als eine Hand voll solcher Orte im Harz einfallen, mache ich eine neue Blogserie daraus: Lieblingsplätze im Harz.

Beste Aussicht auf Schloss Wernigerode [Lieblingsplätze im Harz]

Das habe ich zum Auftakt meiner Blogserie geschrieben, allerdings mit dem Hinweis, dass auch der Weg zu all diesen Lieblingsplätzen absolut lohnend sein kann. Das trifft auf jeden Fall auch auf diese knapp fünf Kilometer lange Wanderung zu. Und ich lege mich fest: Auch ohne Harzer Schmalspurbahn würden der Picknicklatz am Steinbergkopf und der Aussichtpunkt am Elversstein zu meinen Lieblingsplätzen im Harz zählen. Aber trotzdem hoffe ich, dass ich in diesem Jahr ein Herbstfoto von der Harzer Schmalspurbahn machen kann, das fehlt mir nämlich noch. (Und dann sollte doch auch endlich mal Schluss sein mit Lockdown – findet ihr nicht auch?)

Zum Nachwandern: Elversstein und Steinbergkopf

Hier geht es zu meiner Komoot- Aufzeichnung mit GPS-Daten (anmelden ist nicht nötig, einfach runterscrollen: Wenigerode: Rundwanderung zum Steinbergkopf und Elversstein (HWN 29)


15 Gedanken zu “Elversstein und Steinbergkopf [Lieblingsplätze im Harz]

    1. Danke für dieses schöne Feedback. Es gibt eben diese Wanderungen, Tage, Momente, die wieder irgendetwas zurechtrücken in einem selbst – nichts Großes oder Offensichtliches aber dennoch deutlich spürbar. Dieser Tag im Harz gehörte dazu und hat dazu beigetragen, dass ich wieder mit mehr Energie und Zuversicht in die neue Woche starten kann, dank der wunderschönen Natur und natürlich meinem verrückten Hund 😉

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  1. Der Winter im Harz ist wunderschön und die Wanderung mit Hund begeistert mich. 2019 war ich das erste mal im Harz in Wernigerode und auch mit der Brockenbahn bin ich mitgefahren, aber wegen Sturm bin ich leider nicht bis zum Brocken gekommen. Das werde ich bestimmt irgendwann nach der Lockdownzeit nachholen
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ja, der Harz ist wirklich wunderschön im Winter, besonders in diesem Jahr. Mit Wernigerode hast du echt den idealen Ausgangspunkt für die Erkundung des Harzes gewählt, finde ich. Gerade letzten Sonntag als wir da waren, habe ich das wieder gesagt: Wenn ich Urlaub im Harz machen würde, würde ich ihn in Wernigerode verbringen. Nicht nur, dass die Stadt selbst viele Möglichkeiten bietet, auch schließt sich hier das für mich abwechslungsreichste und schönste Wandergebiet des Harzes an. (Haha, das ist nicht gesponsort vom Tourisumusverband, hört sich fast so an…) In diesem Sinne: Hoffen wir, dass sich das mit dem Lockdown bald erledigt und du deine Brockenfahrt nachholen kannst! Liebe Grüße von Andrea

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  2. Wie schöööön! Dieser Leseausflug mit den Schneebildern hat richtig gut getan! Bei uns lag nur eine Nacht Schnee, dann wars wieder matschig… Also vielen Dank fürs Mitnehmen in den Harz!

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  3. Liebe Andrea,
    höchste Zeit wird’s, dass ich mich hier mal wieder zu Wort melde und DANKE sage für deine so schön bebilderten Geschichten vom Leben, vom Leben mit Hund, vom Leben im Lockdown und vom Leben im Lockdown mit Hund 🐕 😄
    Offen gestanden bin ich vor lauter eigener Unternehmungen (Du weißt schon, meine Projekt „Panoramawege durch die Pandemie“ 😇) nicht dazugekommen…
    Ich liebe deine Bobbybilder zu allen Jahreszeiten und ich freue mich für Euch, dass ihr drei aus dieser Zeit das Beste macht, auch die unmittelbare Umgebung zu genießen wisst und allem Anschein nach großen Spaß dabei und miteinander habt.
    Mir geht es da ganz ähnlich: wenn ich Pippa wie eine Wilde durch den Schnee stauben sehe, fällt etwas von all dem Schweren da draußen (dieser ganze Coronamaßnahmenlockdowninzidenzhygiene-Tunnel) zumindest für die Dauer der Wanderung von mir ab und ich tanke Kraft und Zuversicht. Für den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat. Habe diesen kleinteiligeren Takt akzeptiert und plane nicht mehr weiter als bis nächsten MPK und werde trotzdem nicht trübsinnig.
    Ganz liebe Grüße an Bobby, Wolfgang und Dich (Reihenfolge rein zufällig) & bis in Kürze auf anderem Kanal!
    Aus dem Münchner Tauwetter grüßt dich –
    Natascha

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    1. Liebe Natascha,
      wie schön, auch hier mal wieder von dir zu hören! Mir geht es ja genau so. Einerseits bin ich auch so viel damit beschäftigt auf irgendwelchen Wegen durch die Pandemie zu schleichen ;-), anderseits kriegen wir über andere Kanäle so viel voneinander mit, dass man das Kommentieren auf dem Blog ein wenig vernachlässigt. Ja, mittlerweile schaffe ich es auch immer besser, einfach irgendwie (Tag für Tag) weiter zu machen und mich nicht in dem Coronamaßnahmenlockdowninzidenzhygienetunnel (genial!) zu verlieren. Gut auch, dass wir unsere Hunde haben, die uns ja immer wieder sehr deutlich zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben.
      Ganz liebe Grüße (und bis gleich?) nach München aus dem heute schon fast ein wenig frühlingshaften Braunschweig von Andrea (und ihre Männer)

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  4. Wir lieben besonders deine Winterbilder. Wir können uns gut vorstellen, dass der Harz im Winter großartig ist. Wir machten vor Jahren u.a. im Harz Ferien und erfreuten uns an den romantischen Städten, so viel anders als hier an der ostenglischen Küste.
    Mit herzlichen Grüßen vom kleinen Dorf am großen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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