Schlösser, Burgen, besondere Perlen und Lost Places im Harz

Über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass der letzte von 222 Stempeln der Harzer Wandernadel im Heft gelandet ist und Bobby die Kaiserkrone feierlich in Empfang genommen hat. Mit der Urkunde zum Harzer Wanderkaiser überreichte uns die Dame in der Geschäftsstelle der Harzer Wandernadel in Blankenburg neben einem neuen Wanderpass auch das komplette Set an Themenstempelheften: Harzer Steiger, Harzer Grenzweg, Goethe im Harz, Lutherweg, Harzer Hexenstieg, etc. Ganz aktuell gab es das Heft zu den Harzer Geschichtsorten „Burgen und Schlösser“. Für dieses Projekt wurden sogar 32 zusätzliche Sonderstempelkästen im Harz aufgebaut. Und nicht nur weil Bobby es liebt, vor alten Gemäuern und Herrschaftshäusern zu posieren, bin ich ein Fan dieses neuen Projektes geworden.

Zwei Wanderkaiser posieren vor dem Kleinen Schloss Blankenburg mit den neuen Wanderpässen 😉

Nordöstliches Harzvorland – ideales Ausflugsziel für Frühlingssehnsüchtige

Spätestens Anfang März ist bei mir der Zeitpunkt gekommen, dass ich genug vom Winter habe. Ich sehne mich nach Licht und Wärme. Wanderungen im Harz durch tiefe Täler oder dichte Wälder reizen mich da weniger. Zudem baue ich konditionell über den Winter immer ziemlich stark ab und gleichermaßen (ein Teufelskreis) sinkt meine Motivation, mich anzustrengen oder mich gar einen Berg hinauf zu kämpfen. Da kommt mir das Sonderstempelheft der Harzer Wandernadel „Burgen und Schlösser“ gerade recht. Viele der dort aufgeführten Sehenswürdigkeiten liegen im nordöstlichen Harzvorland, meinem Lieblingsausflugsziel zu dieser Jahreszeit. Die weite Landschaft ist lediglich hier und dort unterbrochen von sanften Hügeln, lichten Kiefernwäldern und alten Streuobstwiesen. Oftmals hängen dicke Wolken über dem Harz, während einem hier die Sonne ohne Hindernis direkt ins Gesicht scheint. Die Gegend ist ein wenig Niemandsland, ehemaliges Zonenrandgebiet. In den kleinen, verschlafenen Ortschaften könnte man meinen, dass die Zeit stehen geblieben sei.

Nordöstliches Harzvorland im Frühling: Teufelsmauer bei Weddersleben

Kaum etwas lässt auf die geschichtliche Bedeutung dieser Region schließen, wenn da nicht die vielen Burgruinen, Festungen und Schlösser wären, die man teilweise schon von Weitem markant in den Himmel ragen sieht. Manche davon sind sogar Weltkulturerbe und einige habe ich natürlich auch schon besucht. Das Schloss Wernigerode, die Burg Regenstein, die Burg Falkenstein und auch die beiden Schlösser in Blankenburg z.B. sind nicht nur besonders beeindruckend, sondern lassen sich zudem wunderbar in kleine oder größere Harzwanderungen einflechten.

Blick vom Agnesberg auf Schloss Wernigerode

Burgen und Schlösser – Entdeckungen im nördlichen Harz

Aber in dem kleinen Stempelpass sind nicht nur diese bekannten Burgen und Schlösser zu finden, sondern auch einige, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Letztes Wochenende war es mal wieder soweit. Für den Vormittag war Sonne angesagt. Am Nachmittag sollte es wie so oft in letzter Zeit regnen. Drei Burgen und Schlösser im nördlichen Harzvorland standen auf unserem Halbtagesprogramm. Wir cruisten Sonntags früh auf kleinen Straßen über flaches Land und durch winzige Dörfer vorbei an verfallenen Gutshöfen und irgendwann passierten wir die ehemalige deutsch-deutsche Grenze mit einem Grenzmuseum, das mit Wachturm und Stacheldraht an grausame Zeiten erinnert.

Dann erreichten wir Hessen. Ja, so heißt die Ortschaft in Sachsen-Anhalt mit Schloss Hessen, dem ersten Ziel unserer Schlösser und Burgen Tour. Auf der Hinfahrt las Wolfgang mir aus dem Stempelheft vor, dass Schloss Hessen im 16. und 17. Jahrhundert ein prächtiges Rennaissanceschloss mit einem der üppigsten Lustgärten seiner Zeit war. Sogar die damals noch exotische Kartoffel wurde hier angebaut und erstmals in Europa verkostet.

Nicht mehr viel erinnerte mich vor Ort an diese prunkvollen Zeiten. Das Schlossgebäude beherbergt heute einen Jugendclub und eine Kindertagesstätte. Im Lustgarten sind die ehemaligen Parzellen mit kleinen Pfeilern im grünen Rasen abgesteckt. Wolfgang vertiefte sich in die Hinweistafeln. Er konnte es gar nicht glauben, dass hier im scheinbaren Niemandsland mal eine Hochkultur geherrscht haben soll. Ich habe leider von Geschichte überhaupt keine Ahnung (was ich schon lange dringend ändern möchte), aber ich mag diese alten Gemäuer als Fotomotiv und Bobby liebt es, davor zu posieren. So kommen wir auf solchen Ausflügen stets alle auf unsere Kosten.

Schloss Hessen: Bobby im Lustgarten

Nur ein paar Kilometer weiter wartete bereits die Westerburg auf unsere Besichtigung, ein zum Hotel umgebautes Wasserschloss. Überraschenderweise in dieser einsamen Gegend, war der Parkplatz vor dem Schloss voll. Zu meiner Freude war der Burghof frei zugänglich und nicht nur den Hotelgästen vorbehalten. Auf einem verwunschenen Weg umrundeten wir die Wasserburg. Bobby genoss die Natur, ich die unterschiedlichen Blicke auf die Burg und Wolfgang hing seinen Gedanken über die Geschichte der Region nach. Er mutmaßte unter anderem, dass der 30-jährigen Krieg hier bestimmt seine Spuren hinterlassen hätte.

Plötzlich erstarrte Bobby. Irgendetwas ist da hinter dem Gebüsch …
Solch merkwürdige Viecher hat er noch nie gesehen.
Und diese Blicke – echt gefährlich 😉

Unser nächstes Ziel führte uns noch weiter in den Osten. Rechts neben uns lag der Höhenzug Huy und wir sahen die Huysburg aus dem Waldgebiet aufragen. Die hatten wir letztens bereits besucht. Hinter dem Huy konnte man den Harz und den Brocken erahnen. Er liegt in Wolken verhüllt, während wir durch den sonnigen Frühling fuhren.

Irgendwo da ist der Brocken.
Frühling im Harzvorland

Wir erreichten Burg Schlanstedt und so ist das eben mit den Stempelstellen der Harzer Wandernadel. Man weiß nie, was einen erwartet. Hier war es eher Nichts. Ein Bauzaun versperrte den Blick in des Innere des Gemäuers. Auch war es nicht möglich, um die Burg herumzugehen („Privatgelände – Betreten verboten“).

Der Blick voraus auf die Mauern von Burg Schlanstedt …
… und der Blick zurück auf die Mauern von Plattenbauten.

Osterwieck – „Perle von Sachsen Anhalt“ oder doch eher „Lost Place“?

Wir drückten den dritten und letzen Stempel für heute in unser Heft und traten auf der Straße der Romanik den Heimweg an. Der Himmel zog wie vorhergesagt zu als wir Osterwieck passierten. Diese mittelalterliche Stadt, wohl auch „Perle von Sachsen-Anhalt“ genannt, wie man auf der städtischen Internetseite nachlesen kann, glich bei unserem letzten Besuch vor fünf Jahren eher einem „Lost Place“. Damals bestaunten wir die riesigen und prunkvollen Fachwerkhäuser, die großteils verfallen waren, so dass die Stadt eine fast gespenstische Atmosphäre ausstrahlte. „Komm, lass uns schauen, was sich seitdem verändert hat,“ sagte ich zu Wolfgang und wir machten einen kurzen Stopp in der menschenleeren Innenstadt. Ein wenig mehr ist heute von dem alten Prunk zu sehen. Einige Häuser wurden seitdem saniert. Aber vieles hat sich seit Jahren gar nicht verändert, wie z.B. die Auslagen in den Geschäften.

Zu Hause angekommen, sichtete ich meine Fotos unseres Ausflugs durch das nördliche Harzvorland, während Bobby auf dem Sofa tief und fest schlafend seine Eindrücke verarbeitete. Wolfgang recherchierte weiter die Geschichte der Region. Kurzum, es war ein überaus inspirierender Tag und ich freue mich auf weitere Entdeckungen in Sachen Harzer Geschichtsorte „Burgen und Schlösser“ und natürlich auf den Frühling!

Zur Orientierung und zum Weiterlesen: Burgen, Schlösser und mehr im nordöstlichen Harzvorland

Stempelstellen Schlösser und Burgen im Harz – Die rot markierten sind die drei Schlösser unserer Tour.

Die Toskana des Nordens – meine Ausflugstipps entlang der Teufelsmauer: Burgen, Schlösser und Teufelswerk – Frühling im Harzvorland

Noch mehr Harz auf meinem Blog gibt es hier.


10 Gedanken zu “Schlösser, Burgen, besondere Perlen und Lost Places im Harz

      1. Hallo Andrea, ja, ich bin entweder im Harz oder der Rhön unterwegs. Am Rande der Rhön wohne ich und in den Harz fahren wir regelmäßig… da wohnen die Schwiegis. Unser Basislager ist dann entweder in Ilfeld oder in Bad Lauterberg. Von da plane ich meine Touren.
        Liebe Grüße zurück von Wanderin mit Hunden zu Wanderin mit Hund
        Ivonne

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    1. Nur falls es im Artikel so rüberkam… die Sonderstempelhefte kann man natürlich auch alle erwerben, ohne Wanderkaiser zu sein 😉 Ich finde gerade das Schlösser und Burgen Heft besonders interessant, da es noch mal neue Regionen rund um den Harz erfasst. Liebe Grüße von Andrea

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  1. Guten Tag Frau Itze, wieder einmal begeistert mich eine Ihrer Wanderungen so sehr, dass ich einen Beitrag liefern MUSS 😀 vielleicht steht ja: Klosteranlage..Kloster Walkenried und Burg Hohenstein im neuen Stempelheft (habe es bestellt) denn dort waren wir am vergangenen Wochenende ! Die Klosteranlage ist ein unglaublich, mystischer Ort. Ich wünsche Ihnen mit Bobby ein tolles, neues Wanderjahr Verena Krause

    Gefällt 1 Person

    1. … und ich freue mich, mal wieder von Ihnen zu hören! Ich bin ja auch ganz begeistert vom Südharz und habe gerade noch mal in das Burgen und Schlösser Stempelheft geschaut. Die Stempelstellen sind (leider) alle nur im nordöstlichen Harz. Aber Walkenried und Hohenstein sind auch ohne Harzer Wandernadel absolut lohnenswerte Ausflugsziele. Ganz liebe Grüße und viel Spaß mit dem neuen Stempelheft wünscht: Andrea

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