Mont-Saint-Michel auch mit Hund? Ja, na klar!

Es war Mitte Juni und bestimmt der heißeste Tag unserer Reise durch die Normandie und die Bretagne. Von der Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne war unsere Fahrt bis an die Grenze zur Normandie nicht weit. Zwei Tage und zwei Nächte hatten wir für den Mont-Saint-Michel eingeplant, bevor es dann nach drei Wochen wieder nach Hause gehen sollte. Unbedingt wollte ich genug Zeit haben, um einen der meistbesuchten Orte Frankreichs, die berühmte Klosterinsel Mont-Saint-Michel, möglichst entspannt auch mit Hund zu besuchen. Bobby mag Menschenmassen überhaupt nicht und ist schnell von zu vielen Eindrücken gestresst. Aber irgendeine Möglichkeit würde es geben. Da war ich mir sicher: „Und wenn ich eine Nachtwanderung mache, ich will mit Bobby zum Mont-Saint-Michel!“

Bereits auf der (Hin-) Reise von der Normandie in die Bretagne haben wir während eines Gassi-Stopps einen Blick auf Mont-Saint-Michel erhascht.
Aussicht auf Mont-Saint-Michel vom Pointe du Gruin Sud – Hier in der Region gibt es die höchsten Tiden Europas von bis zu 15 Metern.

Mont-Saint-Michel mit Hund: Wo sind die ruhigen Aussichtspunkte?

Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Hotel. Das alte Steinhaus im typischen Stil dieser Region lag direkt an der Bundesstraße, die zum Mont-Saint-Michel führt. Ein Reisebus nach dem anderen rauschte an uns vorbei, als wir schwitzend in der prallen Sonne auf dem brüllend heißen Hof vor dem Eingang des Hotels warteten. „J‘arrive toute de suite“ rief der Wirt und winkte zu uns rüber. Er war schwer beschäftigt am Grill der an das Hotel angeschlossenen Raststation. Die Terrasse hinter dem Haus war gut besucht. Nach einer gefühlten Ewigkeit eilte der Wirt heran und entschuldigte sich für die Wartezeit („viel zu tun“).

In dem wirklich sehr einfachen und wild zusammengewürfelten Hotelzimmer ließen wir die Hitze des Tages hinter zugezogenen Gardinen draußen. Wolfgang und Bobby entspannten, während ich im Internet nach möglichen Wanderrouten suchte, auf denen man mit Hund ruhig und entspannt eine gute Aussicht auf den Mont-Saint-Michel haben könnte. Ich stieß auf Erstaunliches. Genau an diesem Tag, am 17. Juni 2019, gab es gegen 20 Uhr Uhr die höchste Flut in diesem Monat. Nur an wenigen Tagen im Jahr wird Mont-Saint-Michel komplett zur Insel. Das soll ein wahnsinnig faszinierendes Ereignis sein. Dazu würde die heutige Flut zwar nicht ganz ausreichen (nur ab einem Gezeitenkoeffizient von über 110 ist das der Fall, las ich), aber trotzdem war das doch ein echter Glücksfall. Als ich Wolfgang davon erzählte, sagte er: „Lass uns einfach hinfahren.“ Direkt zum Mont Saint Michel? Mit Bobby? Zum höchsten Flutstand des Monats? Sind da nicht Unmengen an Menschen unterwegs? Aber warum eigentlich nicht?! Wenn es zu anstrengend sein sollte, dann würden wir halt wieder fahren. Wir hatten ja noch weitere zwei Tage Zeit.

Wir verließen das kühle Hotelzimmer und konnten kaum glauben, dass der Wirt extra für uns gegen späten Nachmittag (die Terrasse des Restaurants war mittlerweile leer) den Grill anwarf. Normalerweise wird in Frankreich erst ab 19:30 Uhr zu Abend gegessen. Noch nie hatten wir eine Ausnahme erlebt. Dieses Hotel ist eine echte One-Man-, bzw. One-Woman-Show (die Frau des Wirts wies gerade zwei Wohnmobile auf der Wiese hinter dem Hotel ein, das machen die also auch noch). Ich bin fasziniert von der Energie der beiden, wobei man ihnen eine gewisse Erschöpfung ansieht, die aber bestimmt nie in Unhöflichkeit gegenüber den Gästen umschlagen würde.

Hotel und Raststation: Le Marquis de la Guintre

Als wir kurz nach 19 Uhr durch die Schranke auf eine der riesigen Parkflächen am Mont-Saint-Michel fuhren, fühlten wir uns fast verloren. Ein paar Autos parkten dort, aber kein Mensch außer uns war da. Etwa drei Kilometer ist es von den Parkplätzen zum Mont Saint Michel. Wir passierten das große Besucherzentrum und dann einige Hotels und Restaurants, bis wir die lange, geschwungene Brücke erreichten. Ich war fasziniert von der Weite, der Ruhe, der Abendstimmung und davon, wie Mont-Saint-Michel mit jedem Schritt näher kam und sich der Blick darauf immer wieder veränderte. Unter uns strömte das Wasser Richtung Land. Die Flut hatte ihren Höchststand fast erreicht.

Unser einsamer Weg zum Mont-Saint-Michel.
Wir kommen näher. Unter uns fließt das Meer Richtung Land.
Ja, hier wurde es dann ein wenig voller. Die meisten fahren die drei Kilometer mit dem Bus.
Angekommen …
… konnte ich es auch hier kaum glauben, dass wir ganz ohne Menschenmassen durch das Tor in des Innere von Mont-Saint-Michel eintauchten.

Mont-Saint-Michel: Ganz entspannt mit Hund

So sehr ich mich darauf gefreut hatte, Mont-Saint-Michel zu besuchen, so wenig hatte ich mich auf diesen Augenblick vorbereitet. Eigentlich hätte ich gar nicht gedacht, dass wir so weit kommen würden. Bereits der Blick von draußen ist so faszinierend, dass ich mich völlig damit zufrieden gegeben hätte. Aber nun spazierten wir einfach ganz entspannt mit Hund in das Innere von Mont-Saint-Michel, ohne dem befürchteten Gedränge und ohne einen Plan. Ganz intuitiv wendeten wir uns den schmalen Treppen zu und stiegen entlang der hohen Mauern empor. Fast ein wenig ehrfürchtig wegen dieses Glücks, der Schönheit dieses Ortes, der unerwarteten Ruhe und der Ausblicke ließen wir uns einfach immer weiter nach oben treiben.

Das Innere der Abtei darf man mit Hund nicht besuchen, aber das war total egal. Stundenlang könnte man draußen in den kleinen Gassen, Hinterhöfen und Aussichtsterrassen herumschlendern. Es hätte noch jede Menge zu entdecken gegeben, aber wir traten den Rückweg an. Die Sonne würde bald unter gehen.

À votre santé, Mont-Saint-Michel!

Als wir über die lange Brücke wieder zurück gingen, sank die Sonne immer tiefer hinter Mont-Saint-Michel dem Horizont entgegen. Die Flut floss langsam wieder ab und wir kosteten dieses wunderbare Schauspiel bis zum letzten Sonnenstrahl aus.

Als wir zum Hotel zurückkamen, war die Nacht bereits angebrochen. Der Wirt war noch mit dem Reinigen des Grills beschäftigt. Die One-Man-Show kannte keinen Feierabend und er verkaufte uns mit einem freundlichen Lächeln noch eine Flasche Cidre. Im Zimmer zogen wird die Gardinen auf. Die Luft hatte abgekühlt und eine kühle Brise strömte uns entgegen. Wir setzten uns mit einem Glas Cidre ans Fenster und schauten das erste Mal hinaus. Und tatsächlich sahen wir am Horizont den beleuchteten Mont-Saint-Michel. À votre santé und bis morgen!

Ausflug zum Pointe du Grouin: Zöllnerpfad, tolle Ausblicke und Torte

Am nächsten Morgen regnete es in Strömen. Während unserer gesamten Reise durch die Normandie und die Bretagne haben wir uns immer wieder von Landzungen, die ins Meer ragen – den „Pointes“ und „Caps“ – angezogen gefühlt. Und meistens hatten wir dort auch Glück mit dem Wetter. Je weiter draußen auf der See, desto wechselhafter die Wetterlage. Auch Regen hält sich da meist nicht lange. Wir fuhren zum Pointe du Grouin, das am nordwestlichsten Ende der Bucht von Mont-Saint-Michel liegt. Und was soll ich sagen, als wir dort ankamen, hörte es tatsächlich auf zu regnen und da wir nun wieder in der Bretagne waren, wanderten wir wie von dort gewohnt, eine kleine Runde auf dem Zöllnerpfad immer entlang der Küste und ebenfalls wie immer mit fantastischen Ausblicken.

Als wir gegen frühen Nachmittag zum Ausgangspunkt zurückkamen, war es dort richtig voll geworden. Der Pointe du Grouin scheint ein sehr beliebtes Ausflugsziel gerade für Rentner zu sein. Große Gruppen spazierten vom Busparkplatz über den kurzen Weg zum Restaurant. Wie verständlich, denn hier gab es neben ein klein wenig Bewegung tolle Ausblicke und ein großes Stück Torte. So schön kann das Leben sein.

Am Pointe de Grouin entdeckte Wolfgang noch etwas mit seinem Teleobjektiv …
… Mont-Saint-Michel 🙂

Au revoir, Mont-Saint-Michel.

Bevor wir am nächsten Tag die Rückreise nach Hause antreten mussten, gingen wir noch eine letzte Gassirunde mit Bobby. Ein paar Hundert Meter von unserem Hotel entfernt hatten wir einen Parkplatz entdeckt, von wo aus ein Spazierweg über Weiden und Äcker führt und man einen schönen Blick auf Mont-Saint-Michel hat. An diesem Morgen standen einige Wohnmobile dort und ein paar Leute saßen davor und tranken ihren ersten Kaffee. Hinter der dünnen Wolkendecke brach die Sonne immer wieder durch. Mont-Saint-Michel lag weit weg am Horizont. Bobby interessierte das überhaupt nicht, sondern viel mehr die unzähligen Kaninchen, die überall um uns herum hoppelten. Auf einmal hörten wir es mähen und meckern. Eine riesige Schafherde trieb von den Höfen an der Straße auf uns zu, lief an uns vorbei und wie magisch angezogen in einer hunderte Meter lange Schlange auf Mont-Saint-Michel zu. Was für ein Erlebnis.

Unzählige Schafe …
… mit scheinbar nur einem Ziel.
Dieses sagenhaft tolle Foto ist Wolfgang mit seinem Teleobjektiv gelungen. Danke dafür!

Nach dem Frühstück, zu dem man im Erdgeschoss des alten Steinhauses mit allen Gästen gemeinsam an einem großen Holztisch zusammenkam (der Wirt kochte Kaffee und riss immer wieder neue Käsepackungen auf, während seine Frau im gleichen Raum am PC wahrscheinlich die neuesten Buchungen bestätigte), mussten wir dann irgendwann aufbrechen. Es ging tatsächlich nach Hause. Lange waren wir nicht mehr ganze drei Wochen auf Reisen. Aber ich hatte noch nicht das Gefühl, dass es jetzt reichen würde.

Mittlerweile ist unsere Reise über drei Monate her. Gerade, wo ich darüber schreibe und an unsere Erlebnisse in der Normandie und der Bretagne zurückdenke, werde ich immer noch ganz kribbelig. Ja, es hat mich erwischt. Und jetzt kommt das Beste: Es dauert nicht mehr lange, dann werden wir uns wiedersehen. Aber davon erzähle ich später mehr. Ich hoffe, ihr habt noch nicht genug von Frankreich?!

Mont-Saint-Michel mit Hund: Tipps, Blogs und Co.:

Mont-Saint-Michel ist auch mit Hund ein lohnendes Reiseziel. Mal wieder wurden alle unsere Befürchtungen von Touristenmassen, Gedrängel und sonstigen Ärgernissen nicht bestätigt. Wahrscheinlich kann man sogar alle Sehenswürdigkeiten, die sich in der Natur befinden, stressfrei mit Hund besuchen. Wir haben auf jeden Fall vielerorts die Erfahrung gemacht: Kreidefelsen von Étretat, Stonehenge, polnische Sahara, etc. Vielleicht erlebt man diese Orte mit Hund sogar noch intensiver. Man nimmt sich Zeit, geht viel zu Fuß, sucht und findet oftmals die „Hintereingänge“ und man hat es sich längst zur Gewohnheit gemacht, antizyklisch unterwegs zu sein. Und das würde ich auch jedem, der Mont-Saint-Michel mit oder ohne Hund besuchen möchte, empfehlen. Eigentlich gilt das ja für jede Art der Reise. Immer öfters gelingt mir das. Und immer weniger lasse ich mich von „guten Tipps“ genauso wie vor „bloß nicht“- Warnungen davon abhalten, diese Orte einfach selbst zu entdecken.

Aber natürlich habe auch ich in Reiseführern (z.B. Michael Müller Verlag: Normandie), sowie im Netz gestöbert und viele Inspirationen und hilfreiche Hinweise gefunden, wie zum Beispiel bei Barbara auf ihrem Blog „Chien Normandie“ : Mont St. Michel mit Hund – im Namen der Gezeiten. Auf der Seite des Tourismusbüros gibt es einen schönen Plan von Mont-Saint-Michel.

Hier waren wir. Grün: Die Aussichtspunkte Pointe du Grouin, der Parkplatz und Pointe du Gruin du Sud; Rot: Unser Hotel.

Weitere Beiträge auf meinem Blog von unserer Reise durch die Normandie und die Bretagne mit Hund:


11 Gedanken zu “Mont-Saint-Michel auch mit Hund? Ja, na klar!

  1. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag und es bestätigt mich immer mehr, dass wir nächstes Jahr endlich mal wieder (das letzte mal war 2013 ohne Hund) nach Frankreich müssen.
    Das sind wirklich beeindruckende Fotos! 😍 Auch wir waren dort, aber gegen Abend und mit Hund ist es nochmal etwas ganz anderes, traumhaft. Es gibt schon beeindruckende Orte auf dieser Welt und wir sollten das viel mehr zu schätzen wissen und unsere Zeit nicht so oft mit WhatsApp und Internet (sicher, ist es manchmal sehr hilfreich, auch auf Reisen oder für solche Beiträge 😏) verplempern. ☝️
    Mach weiter so 👍😁!
    LG Anja und Charly 🙋‍♀️🐶

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  2. Sehr schön beschrieben und fotografiert. Ich war zwar schon dort, aber nicht am Morgen und in der Abendsonne. Hier sehe ich nun, was ich verpasst habe. Besonders gut gefällt mir das Foto von Bobby, auf dem er von innen beleuchtet zu sein scheint und natürlich die beiden mit den Schafen. Klasse!

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  3. Was für ein schöner Bericht!
    Wir waren im Mai in der Normandie und natürlich stand St. Michel auf dem Plan.
    Wir fuhren am ersten Abend mit dem Fahrrad dahin und waren vom Licht begeistert und auch davon, dass wenige Besucher dort waren.
    Im nächsten Jahr geht es in die Bretagne!
    Weiterhin interessante und schöne Reisen und Bilder/Berichte für uns😎

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    1. Vielen lieben Dank! Dein Bericht über eure Normandie-Reise gefällt mir auch ausgesprochen gut. Die Gegend ist einfach wunderschön. Die Bretagne hat mein Herz aber ganz besonders erobert! Da wünsche ich dir jetzt schon eine gute Reise und eine tolle Zeit, wenn es nächstes Jahr dort hin geht. Liebe Grüße von Andrea

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  4. Was für fantastische Fotos liebe Andrea. Einfach nur überwältigend, denn wir waren ja auch dort und ich bin jetzt nicht so die große Fotografin, die so viel Geduld hat, um solche Fotos hinzukriegen, z.B. mit den Schafen im Vordergrund. Der Mont Saint Michel ist so ein einmaliges Fotomotiv, aber man muss dort gewesen sein, die Atmosphäre rund herum erlebt haben. Es ist immer wieder total beeindruckend. Ich war schon in den 70er Jahren dort als es noch keine Brücke gab, als man noch die Ebbe abwarten musste oder mit Booten übergesetzt wurde. Kaum Touristen …. nicht wie heute. Aber wir werden auch wieder in die Bretagne fahren – nächstes Jahr vielleicht. Es ist einfach zu schön dort. LG Sigrid

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    1. Vielen Dank, liebe Sigrid! Das ist das Schöne, wenn man mit Hund unterwegs ist. Man ist einfach so viel draußen und versucht natürlich auch die Gassistrecken möglichst Aussichtsreich zu wählen. An dem letzten Morgen hatte Wolfgang zum Glück sein Teleobjektiv dabei und die Schafe sind ihm dann einfach vor die Linse gelaufen. Ich finde auch, dass ihm da ein ganz besonders schönes Foto gelungen ist. Was du über die Atmosphäre sagst, kann ich nur bestätigen. Das bringt kein Foto so rüber. Das muss man einfach erleben. Ganz herzliche Grüße! Andrea

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