Ich liebe das Unterwegssein. Das Wechseln der eigenen Perspektive ist Inspirationsquelle für mich. Das Erleben von der Vielfalt dieser Welt gibt mir eine Ahnung vom wahren Sinn des Lebens. Während einer Reise oder einer Wanderung ist mein Geist wacher. Die Gedanken werden ruhiger. Der Moment gewinnt an Wichtigkeit.

Reisen als Inspiration

Wenn ich zu lange an einem Ort verweile, beschleicht mich die Angst, dass das Leben an mir vorbeizieht, während ich mich zu Hause im Alltag verliere. Ich hänge an bestimmten Fragen fest. Ich verzweifele an Systemen, die scheinbar unverrückbar sind. Ich sehe jeden Morgen den Berufsverkehr sich in die eine und am Abend in die andere Richtung schieben. Zu bequem wird das eigene Sofa, um gedankliche Auswege zu finden. Ich brauche die Bewegung, um meinen Geist zu bewegen. Ich muss mich immer wieder leibhaftig davon überzeugen, dass das Leben vielfältiger ist als mein kleiner Alltag. Zu gering ist scheinbar mein eigenes Vermögen, in der immer gleichen Umgebung diese Inspiration zu schöpfen.

Da draußen vor dem Fenster ist die Welt.

Sehnsucht nach der Welt

Bobby hat mir gezeigt, dass es vor der eigenen Haustür die ganze Welt zu entdecken gibt. Durch Bobby bin ich zum Wandern gekommen. Das ist eine wunderbare Form des Unterwegsseins. Meine Reisen sind durch ihn räumlich näher und zeitlich kürzer geworden. Ich bin ein ganz klein wenig mehr in mir selbst angekommen. Ich halte es etwas länger mit mir an einem Ort aus. Aber da bleibt diese Sehnsucht. Die Sehnsucht nach der Welt.

Dieser ’spektakulärere Canyon‘ ist ein ehemaliger Steinbruch im Harz.

Und irgendwann muss ich dann weiter.

Vor einem Jahr habe ich mich selbständig gemacht. Ich habe mich von den Abhängigkeiten eines Angestelltendaseins befreit. Ich rief: „Free!“ und ich war mir sicher, dass das der richtige Schritt ist. Und das war es. Alles läuft nach Plan. Ich habe viel zu tun. Kein Chef schaut mir über die Schulter. Keiner bremst mich, wenn ich neue Ideen habe. Ich muss keinen Urlaub einreichen und keine Krankmeldung abgeben. Dass ich auf Reisen mein Büro dabeihabe, nehme ich gerne in Kauf. Genauso, dass ich trotz Erkältung und Schniefnase auch mal an das Telefon gehe oder ein paar Emails schreibe. Doch ich weiß, der Zeitpunkt wird kommen, dann ist auch dieser Job für mich Routine. Ich werde dem täglich Gleichen überdrüssig. Der Alltag wird mich einholen. Ich werde mich wieder weiterbewegen müssen. Weitergehen müssen. Unterwegs sein müssen.

Weitergehen, um den Geist zu bewegen.

Reisen ohne Zeitlimit: ein Traum?

Und ich denke an einen alten Traum: Einmal ohne Zeitlimit reisen. Weiterreisen, wenn es richtig ist. Bleiben, wenn es nötig ist. Immer war ich in diesem Thema zerrissen. Meiner Sehnsucht nach dem Unterwegssein, stand stets meine Angst verloren zu gehen gegenüber. Ich bin viel umgezogen. Hatte viele verschiedene Jobs. Habe oft neu angefangen. Und ich bin mein ganzen Leben lang viel gereist, oft spontan aus einer Laune heraus. Aber immer gab es ein Zurückkommen. Nie war ich unterwegs, ohne zu wissen, wann die Reise endet.

Unterwegs sein. Neue Wege entdecken. Im Moment verweilen.

Dem Traum vom Reisen eine Stimme geben

Lange Zeit begleitete mich auf Reisen auch die Sehnsucht, irgendwo anzukommen. Mittlerweile bin ich angekommen bei Bobby, bei Wolfgang, bei meiner Familie, bei all den Freunden, die mich seit Jahren begleiten, im Leben. Aber trotzdem bleibt da die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach der Welt. Der große Traum vom Reisen ohne zeitlicher Begrenzung.

Warum erzähle ich das? Ich möchte mit einem Zitat meiner hochgeschätzten Bloggerfreundin Natascha antworten.

Ist etwas erst einmal erzählt, dann existiert es, ist auf bestimmte Weise festgelegt und nicht mehr so leicht veränderbar als wenn es unerzählt geblieben wäre. Das gilt nicht nur für die Gabelgeschichte. Vieles, wenn es erstmal dasteht, in die Worte gegossen, die man eben in jenem Moment des Niederschreibens wählen wollte (oder musste), wird einem dann noch bewusster – oder überhaupt erst bewusst? – in seinem jeweiligen So-sein. („It’s dark at night“ von Kraulquappe)

Das Leben ist endlich. Große Träume erfüllen sich nicht von selbst. Der Weg dorthin könnte ein längerer sein. Zu viel Umwege möchte ich nicht mehr gehen.

Der erste Schritt zum großen Traum

Dem großen Traum einen Schritt näher.

Reisen, ohne zu wissen, wann man zurück kommt. Heute haben Wolfgang und ich einen ersten Schritt gemacht. Etliche Gutscheine warteten noch auf Einlösung. Versprechen und Geschenke, die uns von Alltagssorgen ablenken und uns einen schönen Abend oder ein abwechslungsreiches Wochenende bescheren sollten. Wir habe diese Gutscheine ausgelöst. Das Geld landete in einer Spardose. Für den großen Traum. Ganz unspektakulär.