Die Teufelsmauer hat mich umgehauen, und das nicht nur vor Begeisterung. Aber von vorne: Der Tag begrüßte uns mit tiefblauer Himmel, wie es ihn nur an sonnigen und eiskalten Wintertagen gibt. Ein wenig Arbeit musste noch erledigt werden. Viel Zeit zum Überlegen, wie man dieses herrliche Wetter nutzen könnte, blieb nicht. Eine meiner Lieblingsrunden im Harz musste her.

Lieblingsrunden im Harz: Meine neue Blogserie geht in die zweite Runde.

Mit meinem Wanderbericht von den Okerklippen hatte ich eine neue Blogserie angekündigt. Und da gehe ich doch gleich mal in die nächste Runde nach dem Motto:

Welche Wanderungen kommen mir sofort in den Sinn, wenn mich jemand fragt: Hast du mal einen Tipp für den Harz? Es sind die Wanderrouten, bei denen alles passt: abwechslungsreiche Wegführung, sonnige Passagen, Aussichtspunkte mit Fernsicht, moderate Steigung und Wegstrecke (nicht viel mehr als 300 Höhenmeter, etwa 10 km Länge), gute Ausschilderung, bestenfalls eine Einkehrmöglichkeit. Das sind die Wanderungen, die immer funktionieren ohne viel nachzudenken. Die man risikolos jedem empfehlen kann. Die bei jeder Jahreszeit ihren Reiz haben. Die irgendwie nie langweilig werden. (Okerklippen [Lieblingsrunden im Harz])

Lieblingsrunde im Harz: Die Teufelsmauer bei Blankenburg

So unwirklich, dass nur der Teufel seine Hand im Spiel gehabt haben kann, schlängelt sich die etwa 30 km lange Teufelsmauer von Ballenstedt bis Blankenburg durch das nordöstliche Harzvorland. Bei Blankenburg präsentiert sie sich am gebirgigsten. Am anderen Ende in Ballenstedt und etwa in der Mitte bei Weddersleben ragen einzelne Felsformationen so einzigartig aus dem platten Umland gen Himmel, dass sich zahlreiche Mythen um dieses „teuflische Bauwerk“ ranken.

Teufelsmauer bei Weddersleben

Die gesamte Teufelsmauer ist sehenswert. Aber die Kriterien der Kategorie Lieblingsrunde im Harz erfüllt am besten die knapp 8 km lange Rundwanderung bei Blankenburg.

Lieblingsrunde Teufelsmauer: Kraxeln zwischen Hamburger Wappen und Großvater

Der Tag, an dem ich mich für eine meiner Lieblingsrunden entschied, versprach Sonne vom wolkenlosen Himmel bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt. Das leichte Kratzen im Hals und die mäßigen Schweißausbrüche bereits beim Schnüren der Wanderschuhe ignorierte ich. Zu wenige solcher Tage hielt dieser Winter bislang für uns bereit, dass irgend etwas mich davon abhalten könnte, bei diesem Prachtwetter wandern zu gehen. Es geht auf eine meiner Lieblingsrunden. Die laufen sich doch fast von selbst. Nicht denken, nicht anstrengen, einfach nur genießen. Das war mein Plan.

Am Parkplatz „Kleines Schloss“ in Blankenburg direkt gegenüber der Touristeninformation angekommen, blies uns ein recht eisiger Wind um die Ohren. Wolfgang suchte frierend seine Handschuhe. Kurz bevor sich schlechte Laune einstellte, waren sie zum Glück gefunden. Wir starteten unsere Runde auf dem Nördlichen Hangweg im Schatten der Teufelsmauer.

Mitten in Blankenburg geht es los.
Im Schatten der Teufelsmauer ist es recht frostig.

Bobby war bestens drauf. Ich dagegen atmete schwer und das Kratzen im Hals wurde durch die kalte Atemluft nicht besser. Wir ließen Bobby weitestgehend vorauslaufen und am ersten Aussichtspunkt, der Heidelbergwarte, stürmte er sofort auf die Felsen. Er liebt es, von oben in die Welt zu schauen. Aber nicht nur bei Schnee und Eis ist das eine gefährliche Vorliebe. Eigentlich hört er ganz gut auf Kommandos wie „warte“, „langsam“ und „hinter mir“ wenn es darauf ankommt. Aber an diesem Tag nutzte er unsere Schwäche durch die nahende Erkältung schamlos aus. Er fühlte sich stark und unbesiegbar.

Hauptsache oben
Und irgendwie wieder runter
Wintersonne genießen an der Heidelbergwarte

Nachdem wir nach kurzen Momenten der Sonne an der Heidelbergwarte die dunkle Gewittergrotte durchquert hatten, nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Wegweiser wies rechts zum nächsten Zielpunkt, zum Hamburger Wappen („bequemer Weg“). Geradeaus ging es ebenfalls zum Hamburger Wappen mit dem Hinweis: „Vorsicht, der Weg geht nach 200 m in einen ungesicherten Wanderpfad über“. Natürlich nahmen wir den Wanderpfad. Hier waren wir doch schon mal unterwegs. Die Runde um die Teufelsmauer ist doch bombensicher. Da kann man sich doch gar nicht verlaufen.

Was soll ich sagen? Man kann. Vielleicht machten wir auch den Fehler, weder auf Karte noch auf Navi zu schauen, sondern einfach Bobby zu folgen. Er findet meistens zielsicher den richtigen Weg. Aber heute wollte er einfach nur nach oben. An diesem Hang hinter der Teufelsmauer waren einige Trampelpfade zu sehen. Bei vereistem Boden mit nun auch einsetzender Schniefnase wäre es heute mal vernünftiger gewesen, den „bequemen Weg“ zu wählen. Aber es gab kein zurück, denn das hätte nur auf dem Hosenboden funktioniert. Und außerdem war Bobby schon fast oben. Leider (für euch) und zum Glück (für uns) gibt es von dieser Passage keine Fotos, da wir alle Hände voll zu tun hatten.

Noch am keuchen und fluchen krabbelte ich über eine Böschung. Vor mir sah ich die Rückseite der Felsformation „Hamburger Wappen“. Von rechts kam uns schon eine Familie entgegen, die uns etwas erstaunt ansah. Wie aus den Tiefen der Hölle (sehr passend ;-)) tauchten wir am Rande der Teufelsmauer auf. Wir hatten den Wendepunkt unserer Wanderung erreicht. Wir stolperten der Sonne entgegen.

Bobby muss schon wieder auf uns warten.
Hier geht es Richtung Sonne.
Der Blick zurück zum Hamburger Wappen. Hinter dieser Felsformation sind wir nach oben gekraxelt.

Am Hamburger Wappen genossen wir den weiten Blick und die wärmende Sonne. Endlich hatten wir auch wieder alle Hände frei zum Fotografieren.

Wolfgang hat kameratechnisch aufgerüstet und nun schwänzeln stets zwei Fotografen um Bobby herum.
Edgy Model 😉

Von hier aus geht es entlang des Südhangs der Teufelsmauer wieder zurück nach Blankenburg. Und es gibt erneut zwei Varianten: den bequemen Weg unterhalb der Teufelsmauer und den spektakulären Kammweg. Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, welche Variante wir gewählt haben.

Knorrige Bäume und Spiel aus Licht und Schatten
Richtung Kammweg
Bobby kann es einfach nicht lassen. Muss er denn auf jeden Felsen klettern?
Immer mit Blick auf Blankenburg geht es über den Kamm der Teufelsmauer.
Heute sind wir für Bobbys Geschmack viel zu langsam.
Der Weg wird eisiger.
Und ein paar richtig steile Passagen gibt es auch.
Aber man wird belohnt …
… mit schönen Ausblicken.
Auch Herrchen muss auf jeden Felsen klettern.
Hoch. höher, Bobby …

Am Ende des Kammwegs, fast schon wieder in Blankenburg angekommen, wird man vom Großvater erwartet. Das ist eine weitere Felsformation. Diesen Aussichtspunkt lassen wir aber an dem Tag rechts liegen. Denn so langsam war ich mit meinen Kräften am Ende. Ich fiel ins Auto. Die Teufelsmauer hatte mich wahrlich umgehauen. Am nächsten Tag lag ich mit Fieber im Bett. Nun ja, und Wolfgang dann einen Tag später auch.

Nicht nur „umwerfend“ schön sondern auch wirklich spektakulär ist der Kammweg über die Teufelsmauer. Dass es im Winter bei Schnee und Eis mitunter recht rutschig sein kann, liegt denke ich auf der Hand. Wir haben uns an manchen Stellen wirklich gefragt, ob das eine gute Idee war, halb krank bei diesen Witterungsverhältnissen gerade diese Tour zu unternehmen. Unter normalen Bedingungen ist die Runde für jeden, der einigermaßen trittsicher unterwegs ist, aber leicht zu bewältigen. Für Hunde gibt es zu beachten, dass es einzelne Passagen mit recht hohen Felsstufen gibt. Wem das Ganze zu gefährlich erscheint, kann auf den „bequemen Weg“ ausweichen, der ebenfalls mit schönen Aussichten aufwartet.

Zum Nachwandern: Teufelsmauer [Lieblingsrunden im Harz]

Die etwa 8 km lange Rundwanderung an der Teufelsmauer bei Blankenburg gibt es bei outdooractive.com: Auf Teufels Spuren

Hier könnt ihr meine Aufzeichnung bei komoot (mit unseren Abwegen) anschauen: Teufelsmauer [Lieblingsrunden im Harz]

Mein Bericht einer früheren Wanderung an der Teufelsmauer bei Blankenburg: Ich will doch nur spielen… am Fuße der Teufelsmauer

Meine Ausflugstipps rund um die Teufelsmauer: Burgen, Schlösser und Teufelswerk – Frühling im Harzvorland

Noch mehr Lieblingsrunden im Harz auf meinem Blog

Wandertipp für Goslar: Okerklippen [Lieblingsrunden imHarz]

Wandertipp für Bad Harzburg: Eine Runde Bad Harzburg geht immer

Wandertipp für den Westharz: Auf der Suche nach dem goldenen Herbst – Arboretum WeltWald im Harz

Wandertipp für das Oberharzer Wasserregal: Winterwandern an der Hutthaler Widerwaage