Es ist ein Wochenende im Herbst, der bis dahin mit sonnigen Tagen gegeizt hatte. Meine neue Aufgabe in meiner Selbständigkeit fordert mich gewaltig und ich sehne mich nach etwas Zeit. Auch Bobby sieht mich immer häufiger verständnislos an, da ich zu oft mit Falten auf der Stirn an meinem Schreibtisch sitze oder mit abwesenden Blick und Telefon am Ohr durch die Wohnung schleiche.

Und dann ist Samstag, die To-Do-Liste abgearbeitet, der Schreibtisch aufgeräumt. Wolfgang ist in Salzburg auf Familienbesuch und Bobby sitzt wie immer nach der morgendlichen Gassirunde auf seinem Sofaplatz. Er hält das Gesicht in die Sonne. Sonne? Mir wird klar, was für ein wunderbares Wetter augenscheinlich an diesem Wochenende auf uns wartet. Also: Auf geht es! Raus in die Welt! Das Leben genießen!

Bobby auf seinem Lieblingsplatz. Ohne Erwartungen, den Moment genießend.

Ein Blick in die Garage und dann ist es da: Reisefieber

Völlig überfordert mit dieser lange ersehnten Freiheit und dem damit verbundenen inneren Erwartungsdruck etwas Tolles und Großes daraus zu machen, setze ich mich zunächst mit einem leckeren Milchkaffee in den Garten. Bobby liegt zu meinen Füßen. Wir blinzeln beide in die Sonne. Zwei Tage ohne Plan liegen vor uns, eine Ewigkeit. Jegliche Aktivität scheint mir aber zu anstrengend und die Aussicht auf Nichtstun kommt mir vor wie Verschwendung. Nach dem zweiten Kaffee und einem Rundblick durch den Garten gehe ich in die Garage, um die Gartenschere zu holen. Das könnte ein Anfang sein.

Gartenarbeit: Eine von Bobbys Lieblingsbeschäftigungen

Mein Blick fällt auf das verstaubte Regal hinter den Umzugskartons. Hier liegen zerkaute Volleybälle, flügellose Lenkdrachen, diverse Isomatten, Schlafsäcke, ein irgendwann erstandenes und nie benutztes Zelt, ein zerbrochener Liegestuhl. Ich ziehe das Zelt ein Stück heraus: „Familienzelt für bis zu 6 Personen, zwei Schlafkabinen, Stehhöhe 2 Meter…“ steht auf der Packung. Ich spüre ein Kribbeln in meinem Bauch und ich weiß was das ist: Reisefieber!

Autark unterwegs in der Natur: Zelten mit Hund

Mit Bobby unterwegs sein, mit Rucksack und Zelt. Einfach irgendwo das Zelt aufschlagen, um uns herum nur Natur. Diese Idee geistert schon lange in meinem Hinterkopf herum. Ein 6-Mann- / 2-Kabinen-Zelt mit Vorzelt und Standhöhe hat zwar nicht viel damit zu tun, aber ich bin schon dabei, das Monstrum in den Garten zu schleppen. Bobby läuft aufgeregt und etwas skeptisch hinterher. Die plötzlich aufkommende Energie verspricht die lange vermisste Abwechslung. Was ist nun schon wieder in Frauchen gefahren? scheint er zu fragen. Bobby, heute werden wir zelten! erkläre ich ihm. Er schnappt aufgeregt nach dem riesigen Zeltsack, der schwerfällig auf dem Rasen liegt. Er kann es nicht erwarten, beim Aufbauen des Zeltes zu helfen.

Erste Ratlosigkeit macht sich breit.
Bobby hat eine Zeltstange gefunden. Irgendwie passt die nicht.
Wolken ziehen auf. Es wird doch nicht regnen? Aber das hoffentlich regenfeste Außenzelt steht schon mal halbwegs.
Die Sonne hat sich durchgesetzt. Da kann man eine kleine Pause einlegen.
„Grandios“: eine Empfangshalle hat das Zelt auch.
Willst du da heute echt drin schlafen?
Na. klar! Aber vorher machen wir noch Picknick und schmieden Reisepläne. Ende Oktober haben wir Urlaub. Wie wäre es mit Zelten in Kroatien?
Bobby geht schon mal das Schlafgemach checken.
Zwei bis drei Gläser Rotwein später wird es dunkel und empfindlich kalt. Bobby schläft und ich wälze mich auf den harten Isomatten im engen Schlafsack bibbernd hin und her. Ich lausche den Geräuschen von Samstag Nacht in der Stadt: Irgendwann ist die Open Air 90er Party mit einem letzten „Oooops up“ von „Snap live“ vorbei und es folgen Martinshorn, aufheulende Motorräder und immer wieder johlende Stimmen. Irgendwann schlafe auch ich ein.
Durchgefroren und gerädert wärme ich mich morgens am ersten Kaffee.
Bobby scheint einigermaßen ausgeschlafen zu sein.

Große Pläne und harte Realität: Zelten mit Hund in Kroatien

Das Wochenende hat einen riesen Spaß gemacht. Nie hätte ich gedacht, dass ich es schaffe (mit Bobbys Hilfe) so ein großes Zelt aufzubauen. Ich habe den ganzen Abend und die Nacht draußen verbracht. Wie beschäftigt man sich, wenn es dunkel wird? Ich habe viel gelesen. (Den Luxus von Strom im Zelt habe ich mir gegönnt.) Ich habe unsere Kroatienreise geplant. Und ich habe den Geräuschen der Nacht gelauscht. Dieses Zelt ist natürlich ausschließlich für einen Urlaub auf einem Campingplatz geeignet (Gewicht bestimmt 10 Kilo!). Aber dafür ist es ideal. Dennoch haben wir diese Pläne erst einmal verschoben. Zu hart die vorhandenen Isomatten und zu kalt die Nächte Ende Oktober. Aber nach Kroatien geht es trotzdem nächste Woche. Die Ferienwohnung (mit Heizung) in der Nähe von Zadar ist schon gebucht …

Anwolf – demnächst auch im Zelt unterwegs?