Ob das so eine gute Idee war? Anfang Februar für eine Woche an die Ostsee fahren? Wir zweifelten daran, als wir uns am ersten Tag unseres Urlaubs durch Sturm und Schneegestöber oben auf der Steilküste nördlich von Scharbeutz in der Lübecker Bucht vorwärtskämpften. Ich kann es vorweg nehmen: Ja es war eine fantastische Idee!

Winterurlaub mit Hund an der Ostsee: Viel Platz und wenig Stress

Mit Bobby bewegen wir uns gerne antizyklisch fort. Wir versuchen uns immer dort aufzuhalten, wo die meisten Anderen gerade nicht sind. Scharbeutz und die ganze Lübecker Bucht mit Timmendorfer Strand, Hansapark, Grömitz und Co. gehören zu den beliebtesten und meist besuchten Urlaubsorten der gesamten Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste. Nie würden wir im Sommer hierher fahren. Gerade mit einem Hund, der eher ungestüm, nicht sicher abrufbar und oft etwas ungehalten reagiert, meiden wir touristischen Hotspots wo es nur geht. Aber was hätten wir verpasst, wenn wir dieser Region deswegen keine Chance gegeben hätten? Denn im Winter sieht das hier in der Lübecker Bucht alles ganz anders aus. Die Strände sind leer und Hunde-, wie Menschenkontakt findet nur dann statt, wenn man es selbst wünscht. Einfach herrlich, um die Blicke schweifen und die Seele baumeln zu lassen und ganz nebenbei noch das wunderbare Umland zu erkunden.

Lübecker Bucht im Winter: Ruhe und Beschaulichkeit ohne Winterschlaf

Und im Winter hat die verkehrsgünstige Lage und Nähe zu Hamburg, die im Sommer zum massenhaften Ansturm führt, echte Vorteile. Sind die kleinen versteckten Geheimtipps vielerorts in der Nebensaison wie ausgestorben, ist hier die touristische Infrastruktur mit Restaurants und Geschäften im Winter zwar eingeschränkt, aber trotzdem ausreichend verfügbar. Und Nichts geht doch über ein Fischbrötchen und Weißwein in Decken eingekuschelt mit Blick auf das Meer.

Winter an der Ostsee: Schneesturm und Naturgewalten

Zugegeben, Schneegestöber und scharfer Ostwind sind unangenehm. Aber wir wären nicht am Meer, wenn auch dieses Wetter nicht seinen Reiz hätte. Im Laufe des Tages hörte der Niederschlag auf. Der Sturm blieb. Einzelne hartgesottene Kitesurfer wagten sich auf das Meer und die Möwen ließen sich vom Wind durch die Lüfte tragen. Am Strand von Scharbeutz, wo im Sommer die Menschen wie Heringe liegen, ist man zu dieser Jahreszeit der Natur ganz nah.

Morgens am Meer: Immer ein besonderer Moment

Und mit jedem Morgen wurde das Wetter besser. Ich liebe die ersten Blicke am frühen Morgen auf das Meer. Und auch das spricht für einen Urlaub im Winter an der Ostsee. Man muss gar nicht so früh aufstehen, um den Sonnenaufgang zu genießen.

Entdeckungen rund um die Lübecker Bucht

Meist sind wir nur für ein Wochenende an der Ostsee. Dann nutzen wir jeden Moment, am Meer zu sein. Diesmal hatten wir eine Woche Zeit. Und da hat endlich auch das Umland eine Chance bekommen, erkundet zu werden.

Holsteinische Schweiz: Schlösser und Seenlandschaften

Eine ausgedehnte Seenlandschaft, stattliche Schlösser und prächtige Gutshöfe prägen die Holsteinische Schweiz inmitten von Schleswig Holstein. Unsere kleine Rundwanderung führte uns vom Plöner Schloss zur Prinzeninsel.

Bobby als Schlossherr vor den Plöner Schloss
Schöne Aussichten von der Prinzeninsel auf den Plöner See
Und der Blick zurück auf des Plöner Schloss
Das Schloss in Eutin würde Bobby als Wohnsitz auch gut stehen.
Einen gelassenen Kumpel hätte er dort auch schon gefunden.

Fehmarn: Lange Schatten und Ernst Ludwig Kirchner

Die Insel Fehmarn war unser nächstes Ausflugsziel. Die Insel ist so platt, dass der Blick unendlich scheint. Der besonderen Charakter hat seit jeher Künstler angezogen. Einer der berühmtesten Gäste von Fehmarn war Ernst Ludwig Kirchner. Wir folgten dem etwa 10 km langen ausgewiesenen Weg zum Leuchtturm Staberhuk, auf dem man immer wieder Orte passiert, die Kirchner zu seinen Kunstwerken inspirierte. (Rad- und Wanderkarte dazu gibt es im Ernst Ludwig Kirchner Verein in Burg.)

Steilküste bei Staberholz mit Leuchtturm Staberhuk
Weite Blicke von der Steilküste
Schwäne fliegen über uns hinweg.

Einen schöneren Tag hätte ich mir für meinen Geburtstag nicht wünschen können.  An der Natursteilküste bei Katharinenhof warf die tief stehende Wintersonne mystische Schattengestalten auf den Strand. 

Und trotzdem schaffte es die Sonne, uns ein wenig zu wärmen als Wolfgang ein Überraschungspicknick aus dem Rucksack zauberte.

 

Hermannshöhe: Steilküste und Panoramaweg

Unser Glück mit dem Wetter nahm in dieser Woche kein Ende. Jeden Tag aufs Neue war ich begeistert von der ganz speziellen Stimmung, wenn die Sonne morgens aus dem Dunst aufgeht und tief über dem Meer steht. Die Wärme reicht nicht aus, um die dünne Schneedecke zu schmelzen und doch spürt man sie angenehm auf Haut und Seele. 

Und wo passt Sonnenschein besser als auf einem Panoramaweg? Auf der Hermannshöhe führt ein wunderbarer etwa 4 km langer Weg oben auf der Steilküste von Travemünde nach Niendorf. Dieser Weg ist so herrlich, dass er natürlich stets gut besucht ist. Aber das macht gar nichts. Zu schön sind die Blicke auf das Meer, dass man jeden Einzelnen verstehen kann, der diesen Weg genießen möchte.

Leider war die Woche wieder viel zu schnell vorbei. Und als wir die Grenze von Schleswig Holstein nach Niedersachsen auf unserer Rückreise passierten, verschwand die Sonne hinter einer grauen Wolkendecke. Das typische grau in grau unserer Region hat mich wieder. Aber der Zauber der Ostsee im Winter und das Meer aus Licht und Farben wirken hoffentlich noch ein wenig nach. 

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