Ilsetal und Ferdinandsstein [Lieblingsrunden im Harz]

Der Heinrich Heine Weg soll einer der anspruchsvollsten aber auch schönsten Wanderwege auf den Brocken sein. Fast 1000 Höhenmeter sind während des Aufstiegs von Ilsenburg bis auf den höchsten Gipfel Norddeutschlands zu überwinden. „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine“, soll der berühmte Namensgeber des Wanderweges zwar nicht (wie oft zitiert) in das Gipfelbuch des Brockens geschrieben haben. Aber es steckt viel Wahrheit in diesem kleinen Vers, wie ich finde. Im Harz muss es nicht immer der Brocken sein. Aber der Heinrich Heine Weg, ganz besonders der Abschnitt durch das Ilsetal, sollte schon sein. Und genau dort startet auch eine meiner Lieblingsrunden im Harz. Es ist eine Rundwanderung, die auf einem der schönsten Wanderwege im Harz beginnt und trotzdem (kaum zu glauben) im Verlauf noch steigerungsfähig ist.

Wild-romantisches Ilsetal an einem Nachmittag im Sommer – da ist der Lichteinfall besonders schön.

Es ist wieder Zeit für eine Lieblingsrunde im Harz

Dieses Jahr hatte ich keine Lust auf Schnee. Hier im Flachland hatte es sowieso den ganzen Winter über nicht geschneit. Der Harz dagegen konnte sich seit Mitte Dezember vor Schnee nicht retten. Das übliche Chaos brach aus. Staus auf allen Zufahrtsstraßen, überfüllte Parkplätze und Menschenmassen an den wenigen Rodel- und Skihängen, hüfthohes Einsinken auf nicht geräumten Wanderwegen, festgefrorene Schmalspurbahn auf dem Weg zum Brocken – das waren die Meldungen, die mich aus dem Harz erreichten. Seit Anfang Februar zeigte das Thermometer konstant über Null und für dieses Wochenende waren frühlingshafte Temperaturen bei 8 Stunden Sonne vorhergesagt.

Ich erklärte den Winterschlaf für beendet. Bereits abends packte ich den Rucksack, an dem Bobby ganz aufgeregt schnüffelte. Er sah mich erwartungsvoll an. „Morgen geht’s los“, erklärte ich ihm. Auf unserer ersten Wanderung in diesem Jahr sollte nichts schief gehen. Aber das war sowieso ausgeschlossen. Wir hatten eine meiner Lieblingsrunden im Harz auf dem Plan.

Blogserie: Lieblingsrunden im Harz

Welche Wanderungen kommen mir sofort in den Sinn, wenn mich jemand fragt: Hast du mal einen Tipp für den Harz? Es sind die Wanderrouten, bei denen alles passt: abwechslungsreiche Wegführung, sonnige Passagen, Aussichtspunkte mit Fernsicht, moderate Steigung und Wegstrecke (nicht viel mehr als 300 Höhenmeter, etwa 10 km Länge), gute Ausschilderung, bestenfalls eine Einkehrmöglichkeit. Das sind die Wanderungen, die immer funktionieren, ohne viel nachzudenken. Die man risikolos jedem empfehlen kann. Die bei jeder Jahreszeit ihren Reiz haben. Die irgendwie nie langweilig werden. Okerklippen [Lieblingsrunden im Harz]

Lieblingsrunde im Harz: Ilsetal und Ferdinandsstein

Die Rundwanderung durch das Ilsetal zum Ferdinandsstein entspricht zwar mit etwa 18 km Länge und fast 500 Höhenmeter nicht ganz den Kriterien meiner Lieblingsrunden (10 km, 300 hm). Aber die Streckenführung ist so dermaßen abwechslungsreich und ein Genuss für alle Sinne, dass es nie langweilig oder anstrengend wird. Ich kann diese Tour von daher auch all denen empfehlen, die genauso wie ich, den ganzen Winter über häufiger Schokolade und Spaghetti gegessen, als die Wanderschuhe geschnürt haben. Die Wanderung lässt sich auch abkürzen. Und auch dann hätte sie noch mein Prädikat „Lieblingsrunde im Harz“ verdient. Kaum möglich? Doch!

Der Sonne entgegen durch das wild-romantische Ilsetal

Wir starten früh an diesem Freitag im Februar. Am Wochenende kann es voll werden auf den Parkplätzen rund um das Nationalparkhaus in Ilseburg. Mit Hund sind wir an diesen besonders beliebten Orten im Harz vorzugsweise Wochentags unterwegs. Gerade der untere Teil des Ilsetals ist durch Kletterpark, Kinderspielplatz und Mountainbikeverleih stets gut besucht. Aber dennoch hat man hier nie das Gefühl von Ramsch und Rummel wie z.B. am Hexentanzplatz, Wurmberg oder der Rappbodetalsperre. In Ilsenburg scheint der Spagat zwischen Tourismusbrennpunkt und Naturerlebnis gelungen.

Noch ist es schattig und kühl. Neben uns plätschert und gurgelt die Ilse, die wir auf dem Heinrich Heine Weg immer wieder überqueren. Oben zwischen den Baumwipfeln sehen wir den tiefblauen Himmel. Der Tag verspricht viel Sonne.

Auf dem Heinrich Heine Weg nicht auf den Brocken

Bobby reckt den Hals und fixiert etwas im Wald. Jetzt sehe ich es auch. Drüben auf der anderen Seite der Ilse huscht ein roter Punkt vorbei – ein Mountainbiker. Parallel zum Heinrich Heine Weg führt auch ein Forstweg nach oben. Aber den müssen wir zum Glück nicht gehen. Wir schlängeln uns auf dem teilweise recht schmalen Wanderpfad durch das tiefer und enger werdende Tal. Keine massiven Geländer (wie im Bodetal) versperren die Sicht auf das Wasser. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weswegen man sich hier im Ilsetal, auch wenn der Wanderweg gut besucht ist, nie wie in der Fußgängerzone fühlt. Man achtet auf die Schritte, ruhig und besonnen, (selbst-) verantwortlich in der Natur. Wenn ich daran denke, dass ich letztens in der Zeitung gelesen habe, dass ein „Wanderer“ den Nationalpark Harz verklagt hat, weil er im Winter bei eisglatten Wegen ausgerutscht ist, habe ich die Befürchtung, dass diese naturnahen Wanderwege immer seltener werden könnten.

Bobby beobachtet die Natur (und die Mountainbiker)
Wolfgang fotografiert …
… die oberen Ilsefälle.
Wir verlassen das Ilsetal und vor uns steht der verschneite Brocken.
Die Bremer Hütte, das erste Etappenziel mit Brockenblick ist erreicht.

Lieblingsrunde im Harz: Über den Schindelstieg zum Ferdinandsstein

Auch wenn die nächsten Etappenziele der Ferdinandsstein und dann das Waldgasthaus Plessenburg sind, folgen wir weder der einen noch der anderen Ausschilderung an der Bremer Hütte. Stattdessen gehen wir weiter auf dem Heinrich Heine Weg Richtung Brocken. Denn das Beste liegt genau auf diesem Extra-Abschnitt. Der Heinrich Heine Weg durch das Ilsetal ist (für mich) noch nicht der Höhepunkt dieser Wanderung gewesen.

Von der Bremer Hütte aus geht es weiter auf dem Heinrich Heine Weg Richtung Brocken.
Die Stempelsbuche, Stempelstelle der Harzer Wandernadel: Hier verlassen wir den Heinrich Heine Weg.

An der Wegkreuzung Stempelsbuche verlassen wir den Heinrich Heine Weg und biegen links ab Richtung Plessenburg. Unser nächstes Ziel, der Ferdinandsstein, ist nirgendwo ausgeschildert. Aber schon bald findet sich auf den Wegweisern der Hinweis „Schindelstieg“. Da sind wir richtig. Ich freue mich riesig auf diesen Weg, denn er ist ein wahrer Genuss.

Noch 100 Meter …
… dann geht es recht ab (an dieser Stelle ohne Wegweiser) in den Schindelstieg.

Der Schindelstieg führt zunächst durch tiefen Wald. Weicher bemooster Boden wechselt sich mit leicht felsigen Abschnitten ab. Dann öffnet sich der Wald zu einer weiten, sonnigen Hochebene. Immer wieder zeigt sich der verschneite Brocken, bevor wir wieder in den Wald eintauchen. Ich bin überwältigt von der Stille. Jedes Geräusch der Natur – Vogelgezwitscher, leichter Wind im Geäst, das Plätschern eines Bachlaufs – erreicht mich ganz unmittelbar.

Der Ferdinandsstein: Mein Lieblingsort auf meiner Lieblingsrunde im Harz

Wir sind nun knapp neun Kilometer unterwegs als wir erneut eine Lichtung erreichen. Vor uns liegt die rund um den Brocken so typische Landschaft: Hochmoore, Kiefern und Totholz, Klippen und Felsbrocken. Wir sind am Ferdinandsstein – einem Ort weit weg von allem was mit Stress und Alltag zu tun hat. Weithin sichtbar ist auch der Stempelkasten der Harzer Wandernadel – für mich die schönste Stempelstelle von allen 222.

Der Wald öffnet sich.
Bobby ist als erster oben.
Ferdinandsstein (HWN 16) – für mich die schönste Stempelstelle der Harzer Wandernadel
Frühlingssonne genießen

Die Stempelstelle Ferdinandsstein der Harzer Wandernadel erinnert übrigens an den letzten freilebenden Wolf im Harz, der 1798 von Graf Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode, erlegt wurde. Es gibt aber ganz aktuell erfreuliche Nachrichten. In diesem Winter wurde erstmals wieder ein Wolf hier ganz in der Nähe oberhalb von Wernigerode gesichtet. Der Wolf ist zurück im Harz und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er diesen Platz hier oben lieben wird.

Der Wolf ist zurück am Ferdinandsstein 😉

Rundwanderung Ilsetal und Ferdinandsstein: Zurück geht’s über die Plessenburg und den Ilsestein

Irgendwann muss man sich auch von den schönsten Orten losreißen. Besonders im Winter, wenn die Tage kurz sind. Der beeindruckendste Teil, was das Naturerlebnis angeht, liegt nun hinter uns. Aber trotzdem warten auch auf dem zweiten Teil dieser Rundwanderung ein paar Highlights, die tatsächlich jedes für sich eine eigene Tour wert wären. Stets leicht bergab geht es Richtung Waldgasthaus Plessenburg. Diese traditionsreiche Gastronomie ist zwar wie vieles im Harz etwas in die Jahre gekommen, aber trotzdem mag ich dieses Lokal. Man wird stets freundlich begrüßt und der Garten ist wunderschön.

Waldgasthof Plessenburg
Bei strahlendem Sonnenschein geht es Richtung Paternosterklippen und Ilsestein.
Immer wieder Brockenblick

Nach etwa 15 Kilometern erreichen wir den Ilsestein, ein beliebter Aussichtspunkt oberhalb von Ilseburg. Die Sonne kostet heute jede Minute des Tages aus. Wir auch.

Seit einiger Zeit gibt es die Raststätte Ilsestein.
Auch kulinarische Höhepunkte gehören zu einer echten Lieblingsrunde.
Die Schatten werden länger auf den letzten zwei Kilometern bergab zurück nach Ilsenburg.

Auf der etwa 18 Kilometer langen Rundwanderung durch das Ilsetal und über den Schindelstieg zum Ferdinandsstein kann man auf (fast) ausschließlich kleinen naturnahen Wanderwegen den Harz von seiner schönsten Seite erleben. Von absoluter Ruhe und Einsamkeit am Ferdinandsstein, bis hin zu (verhältnismäßig angenehmen) touristischen Infrastruktur in Ilsenburg mit dem beliebten Ausflugsziel llsenstein und dem viel begangenen Heinrich Heine Weg, ist alles dabei. Ich bin selten uneingeschränkt begeistert. Hier bin ich es. Auch wenn das eigene Erleben immer subjektiv ist. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass einem diese Rundwanderung im Harz nicht gefallen kann. Nun ja, ich hoffe ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster … 😉

Zum Nachwandern: Ilsetal und Ferdinandsstein [Lieblingsrunden im Harz]

Rundwanderung: Nationalparkhaus Ilsenburg – Heinrich Heine Weg – Ilsetal – Bremer Hütte – Stempelsbuche – Schindelstieg – Ferdinandsstein -Plessenburg – Paternoserklippen – Ilsestein – Ilsenburg

Hier geht es zu den GPS-Daten meiner Komoot-Aufzeichnung (Rundwanderung Ilsetal und Ferdinadsstein).

Die verkürzte, etwa 14 Kilometer lange Rundwanderung ohne Schindelstieg und Ferdinandsstein ist ebenfalls absolut empfehlenswert. Sie ist mehrfach beschrieben, unter anderen bei outdooraktive.com und auf diversen Seiten des Harz-Tourismus.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. wasserundeis sagt:

    SIeht wieder nach einer tollen Runde aus! Irgendwann kommen die Tage, an denen ich zumindest ein paar davon, nachlaufen werde – auch mit Hund :-).

    Gefällt 1 Person

    1. Das kann ich nur empfehlen – besonders mit Hund 😉 Liebe Grüße!

      Gefällt mir

  2. Fotohabitate sagt:

    Die Wanderung ist wirklich schön. Ich habe sie vor einiger Zeit im Herbst gemacht. Und der Kuchen war super lecker!

    Gefällt 1 Person

    1. Oh ja, im Herbst ist es dort bestimmt besonders schön! Und die „Ilsestein-Torte“ war echt ein Knüller! Ich bin mir sicher, dass ich nicht das letzte mal auf dieser Runde unterwegs war. Liebe Grüße von Andrea

      Gefällt 1 Person

    2. Monika sagt:

      Das klingt wunderschön- und nach ordentlich Kilometern für den Saisonstart 😉 Aber mit dem Kuchen als Belohnung geht alles…

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, das tolle Wetter, die wunderbare Landschaft und natürlich die Aussicht auf Torte motivieren ungemein beim Wandern. Den Muskelkater hatte ich dann erst am nächsten Tag …. 😉 Herzliche Grüße, liebe Monika, auch nach Braunschweig!

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s