11 Seen in 24 Stunden am Oberharzer Wasserregal

Nicht einen, nicht zwei, nein: 11 Seen standen auf unserem Plan als wir mit vollgepackten Rucksäcken am späten Nachmittag unsere Zweitageswanderung bei Buntenbock im Harz starteten. An diesem Wochenende in einem Sommer, der alle Hitzerekorde bricht, wollten wir abkühlungstechnisch auf der sicheren Seite sein. Tagsüber zu heiß zum Wandern, hatten wir uns vorgenommen die Abend- und Morgenstunden zu nutzen. Unser neues Drei-Personenzelt (leichte 2,5 kg) und alles was man so für eine Nacht in freier Natur braucht, war dabei. Die lauen Nächte derzeit sind ideal zur Vorbereitung für unsere Trekkingtour auf dem South West Coast Path im September. Einer der 11 Seen sollte der Ort werden, an dem wir übernachten.

Bademarathon im Harz mit schwerem Gepäck

Ausgangspunkt unserer Wanderung war der Prinzenteich, einer der insgesamt 65 Seen des Oberharzer Wasserregals. Dieses faszinierende Kulturdenkmal, das einst zur Wasserkrafterzeugung für den Bergbau diente, besteht aus unzähligen Gräben, Wasserläufen, Teichen und Seen. Etliche Badegäste tummelten sich am und auf dem Wasser. Warum nicht gleich eine erste Abkühlung genießen? Ich stolperte mit dem schweren Rucksack die Böschung zum Ufer hinunter. Bobby rannte voraus. Ich sah im Augenwinkel das schwimmende Einhorn, auf das er zusteuerte und war in dem Moment zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um mich darum zu kümmern. Das Einhorn und das dazugehörige Kind hatten Glück. Sie waren weit genug vom Ufer entfernt. Bobby schwimmt nicht. Er beließ es dabei, im seichten Wasser zu stehen und zu kläffen.

Der Prinzenteich: Ohne Bobby kann man hier bestimmt eine gute Zeit haben.

Wir beschlossen, nicht im Prinzenteich zu baden. Wir hätten die Sicherheit für schwimmende Gummitiere und Kinder nicht garantieren können. Zudem war das Ufer so steil, dass mein gesamter Rucksack beim absetzten fast ins Wasser gekugelt wäre. Und irgendwie erschien es mir zu beschwerlich und zu umständlich, die Badesachen heraus zu kramen. Ich stellte mir die Frage, warum wir eigentlich nicht wie alle anderen mit leichter Badetasche unterwegs waren, als wir die Rucksäcke wieder sattelten und Bobby an die Leine nahmen.

Ich fing an zu (ver-) zweifeln. An unserem Vorhaben mit Zelt und schwerem Gepäck durch die Hitze zu laufen. An Bobby, mit dem man nicht einfach ganz entspannt an einem Badesee liegen kann. An unserer Erziehung, und dass wir ihm dieses Mindestmaß an gutem Benehmen gegenüber anderen Badegästen in vier Jahren noch nicht beibringen konnten. Auch das heiße Wetter im speziellen und die Klimakatastrophe im allgemeinen fingen an, sich negativ auf meine Stimmung auszuwirken. Wolfgang war es mal wieder, der mich auf den Boden der Tatsachen zurückholte, indem er sagte: „Eins nach dem anderen.“ Und ich besann mich auf den Moment und dachte: „Ein See nach dem anderen“. 10 Seen des Oberharzer Wasserregals rund um Buntenbock warteten auf unserer geplanten Wanderung noch auf uns. Da müsste doch auch ein geeigneter Badesee für uns dabei sein.

Glückstreffer auf dem Wasserwanderweg Prinzenteich – Flambacher Teiche

Wir folgten nun immer der Ausschilderung zu den Flambacher Teichen während uns die blaue Wegmarkierung mit dem Wasserrad begleitete. Wir befinden uns auf dem Wasserwanderweg. Dieser Name klingt gerade bei den derzeitigen Temperaturen besonders schön. Die meisten dieser Wege sind es auch, führen sie doch fast ohne größere Steigungen stets entlang von Gräben und Wasserläufen, oft über Brücken und Stege durch angenehm schattigen Wald. Wir waren kaum zwei Kilometer gegangen, als wir den Hardenbacher Teich erreichten. Vom Damm aus, ein Charakteristikum von jedem der Teiche des Oberharzer Wasserregals, blicken wir auf das Wasser. Umgeben von Wald liegt dieser See wunderbar idyllisch vor uns. Eine Person schwimmt mit ruhigen Zügen durch den See. Herrlich!

Der Hardenbacher Teich: Hier will ich rein!
Bobby und Wolfgang haben ein schattiges Plätzchen gefunden.
Der Punkt da im See, das bin ich. Stundenlang hätte ich hier schwimmen können.
Wieder mit der Welt versöhnt, wanderten wir weiter auf dem „Wasserwanderweg Prinzenteich – Flambacher Teiche“ großteils durch angenehm schattigen Wald.
Die Schatten wurde bereits länger als wir nach den Flambacher Teichen den See Nr. 5, den Semmelwieser Teich passierten.
Über den charakteristischen Damm der Seen des Oberharzer Wasserregals ging es entlang See Nr. 6, dem Hasenbacher Teich, Richtung Buntenbock.
Wir genießen die Abendsonne auf dem Buntenbocker Bergwiesenweg. Dieser herrliche Panoramaweg gleicht derzeit allerdings eher einem Stoppelwiesenweg.
„Ruheplatz“ am Sumpfteich (See Nr. 7)
Bobby dreht eine Kneippsche Runde. Am liebsten geht er nur mit den Füßen ins Wasser.

Geheimniskrämerei um ein verbotenes Abenteuer

Es war halb neun, als wir am Hotel und Restaurant Pixhaier Mühle ankamen. „Möchten Sie noch etwas essen? Dann müssen Sie sich beeilen.“ So wurden wir begrüßt. Glück gehabt, die letzten Teller an diesem Abend gingen ans uns raus. Die Gastwirtschaft war gut besucht und schnell kamen wir mit den Leuten am Nebentisch in Gespräch. Wir sprachen über Bobby und deren Hund, der diesmal zu Hause geblieben ist. Die Gruppe war auf dem Harzer Hexenstieg unterwegs. Am nächsten Tag hatten sie die letzte Etappe nach Osterode vor sich. Als wir nach dem Bezahlen unsere Rucksäcke aufsetzten, fragten sie erstaunt: „Gehen Sie heute noch weiter?“ „Jaja, noch ein kleines Stückchen. Nicht mehr weit.“ Alle schauten erwartungsvoll. Aber statt unseren Zielort zu verraten, verabschiedeten wir uns schnell und wünschten alles Gute. Was hätten wir sagen sollten? Dass wir noch auf der Suche nach einem Schlafplatz sind? Wildcampen ist auch im Harz nicht erlaubt. Da hält man sich lieber etwas bedeckt.

Wir folgten nun dem Harzer Hexenstieg in der Richtung, aus der die Gruppe gekommen ist. Es wurde langsam dunkler und wir legten an Tempo etwas zu. Unsere Hoffnungen lagen auf dem See Nr. 8. Nach schnellen zwei Kilometern erreichten wir den Nassenwieser Teich.

Blaue Stunde am Nassenwieser Teich. Das sieht nach einem geeigneten Platz für die Nacht aus

Wenn der Wald erwacht am Oberharzer Wasserregal

Wir wussten sofort: Hier werden wir bleiben. Die letzten Badegäste verließen gerade den See, der kurz darauf völlig ruhig und glatt vor uns lag. Ein wunderbarer Waldpfad führte rund um den See. Etwas versteckt und vom Ufer aus nicht zu sehen aber trotzdem mit Blick auf das Wasser, fanden wir unseren Platz. Wolfgang machte sich daran, das Zelt aufzubauen und ich sprang sofort in das kühle Nass, Bobby (bis zum Bauch) hinterher. Diese Arbeitsteilung gefällt mir! Es war beinahe dunkel, als das Zelt stand und auch Wolfgang in die Nacht hinaus schwamm. Wie wunderbar. In diesem Moment war ich glücklich, nicht mit leichter Badetasche zu einem Tagesausflug an einen See gefahren zu sein. Gut erfrischt ging es in unsere Schlafkoje.

Ich dachte bereits zu schlafen als sich Stimmen in meine Träume mischten, die da nicht hingehörten. Ich schlug die Augen auf und sah sich bewegende Lichtkegel an unserer Zeltwand. Von weit her hörte ich Musik. Es dauerte ein paar Momente bis ich realisierte, wo ich bin. Ich merkte, dass auch Wolfgang wach war und flüsterte ihm zu: „Da sind Leute“ „Ja, ich weiß,“ entgegnete er. Danach waren wir beide ganz still. Die Geräusche, die unsere Luftmatratzen bei jeder kleinsten Bewegung machten, erschienen mir wahnsinnig laut. Die Lichtkegel gingen immer wieder in unsere Richtung. Dann hörte ich Bobby laut durchatmen. Ihn schien die ganze Situation merkwürdigerweise nicht zu kümmern. Normalerweise ist er sehr wachsam. Ich horchte weiterhin den Stimmen zu. Sie klangen weder betrunken, noch sonst irgendwie gefährlich. Es war ein freundliches ruhiges Gespräch. Meine Ohren waren nun sensibilisiert. Mir kam vor, dass der Wind auffrischte. Das Rauschen der Bäume wurde lauter. Nein, hier um uns herum gab es kein Totholz, dass bei einem aufkommenden Sturm auf uns fallen könnte. Ich fragte mich, was man eigentlich bei Gewitter im Zelt macht? Die Lichtkegel verschwanden und irgendwann hörte ich auch keine Stimmen mehr. Ich war eingeschlafen.

Der nächste Morgen begann früh und es war bewölkt. Der See lag wie am Abend vorher friedlich und einsam vor uns. Keine Ahnung, wer in dieser Nacht außer uns noch diesen Ort genossen hat. Ich erzählte Wolfgang von meinen nächtlichen Gedanken und er hat die gleichen gehabt. Beide lagen wir wach und ganz still da, horchten in den nächtlichen Wald und versuchten die Geräusche einzuordnen. Beide kamen wir zu dem Schluss, dass keine Gefahr drohte. Und Bobby hatte das irgendwie sowieso gewusst.

Noch ein paar Momente den Blick auf den See genießen.
Bobby liebt das Zelt und verlässt es immer als letzter.

Wir räumten unseren Platz und verstauten alles getreu nach dem Motto „Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nichts als Fußspuren“. Nach einem Schlenker über den Entensumpf (See Nr. 9) ging es entlang eines Bachlaufs über einen wunderschönen Pfad durch den morgendlichen Wald.

Badevergnügen am Oberharzer Wasserregal und ein See ist schöner als der andere

Wir erreichten den Bärenbucher Teich, der auf unserer Runde der 10. und vorletzte Teich war. Es ist einer der schönsten Seen in der Gegend, wie ich finde. Das Baden ist allerdings soweit ich weiß, nicht erlaubt.

Blick vom „Ruheplatz“ auf den Bärenbucher Teich

Direkt neben dem Bärenbucher Teich befindet sich der Ziegenberger Teich. Dieser Badesee war der letzte von 11 Seen auf unserer Wanderung. Gerade kam die Sonne heraus und wir waren an diesem Tag noch nicht im Wasser. Also los! Auf einem schmalen Pfad stiegen wir durch den Wald hinab. Ein kleiner Badeplatz war schnell gefunden.

Der Ziegenberger Teich: Ein beliebter Badesee des Oberharzer Wasserregals.
Wer kommt mit rein?

Wolfgang und ich schwammen eine große Runde und Bobby machte auch fast einen Schwimmzug. Erschrocken über sich selbst sprang er dann aber schnell zum Ufer zurück. Ich bin gespannt, wie viele Seen es noch braucht, bis er sich ins Tiefe traut.

Auf unserem Rückweg entlang des Ziegenberger Teiches gab es dann eine kleine Abkühlung von oben.
Wegen Umbau geschlossen. Unser ersehnte Frühstück musste leider ausfallen.
Über den Damm des Prinzenteichs gingen wir die letzten Meter.

Ziemlich erschöpft kamen wir gegen mittag wieder am Auto an. Der Rucksack mit Zelt und all den Sachen ist doch ganz schön schwer und die Nacht im Wald war eher kurz. Um längere Trekkingtouren mit Zelt zu machen, sollte ich konditionell etwas aufrüsten, so eine meiner Erkenntnisse. Zudem sollte man sich gut überlegen, wo man sich nachts hinlegt. Zu nah an der Zivilisation birgt gewisse Gefahren, besonders in lauen Sommernächten. Aber es ist einfach wunderbar, die Abende und die frühen Morgenstunden mitten in der Natur zu verbringen. Dafür lohnt sich die Schlepperei und der Nervenkitzel allemal. Der South West Coast Path kann kommen. In einem Monat geht es mit Zelt und Sack und Pack nach England. Ich freue mich!

Zum Nachwandern: 11 Seen in 24 Stunden am Oberharzer Wasserregal

Die etwa 18 Kilometer lange Runde kann man natürlich auch an einem Tag bewältigen, sowie beliebig abändern und variieren. Rund um Buntenbock gibt es viele Themen- und Wanderwege, auch der Harzer Hexenstieg (ein etwa 100 km langer Weitwanderweg durch den Harz) führt hier entlang.

Unsere Route kurz zusammengefasst: Parkplatz am Prinzenteich – Hardenbacher Teich – unterer und oberer Flambacher Teich – Semmelwieser Teich – Hasenbacher Teich – Sumpfteich – Einkehr in der Pixhaier Mühle – Nassewieser Teich – Entensumpf – Bärenbucher Teich – Ziegeberger Teich – Prinzenteich

Hier geht es zu meinen Komoot-Aufzeichnungen:

Seenrunde bei Buntenbock Teil 1

Seenrunde bei Buntenbock Teil 2

Mehr vom Oberharzer Wasserregal auf meinem Blog:

Das kleine Paradies am Oberharzer Wasserregal oder Making-of in Buntenbock

Winterwandern an der Hutthaler Widerwaage

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