Wenn weniger Meer ist – Ostsee im Winter

Das Meer schien verschwunden zu sein, als ich morgens aus dem großen Panoramafenster unserer Ferienwohnung blickte. Ich hörte ein tiefes Tuten, begleitet von einem gleichmäßiges Brummen. Etwas später tauchte ein großes Fährschiff aus dem Nebel auf um dann, fast als würde es schweben, in die Kieler Förde einzulaufen. Wie schön ist es doch am Meer zu sein, selbst wenn so wenig Meer zu sehen ist.

Ostsee im Winter: Einfach sein

Mittlerweile kann man schon von einer „guten alten Tradition“ sprechen. Bereits zum dritten Mal verbrachte ich ein paar Tage im November an der Ostsee in Laboe. Sonst war ich immer alleine mit Bobby da, zum Gedanken sammeln und fliegen lassen und um nebenbei die Küste rauf und runter zu entdecken. Dieses Jahr hat sich Wolfgang uns angeschlossen. Das Gute daran, wenn man einen Ort bereits kennt ist, dass Nichts neu entdeckt werden muss. Wenn es draußen stürmt und regnet, kann man ohne schlechten Gewissen einfach mal in der Ferienwohnung abhängen. Deswegen nehme ich mir im Winter in Laboe immer eine Wohnung mit Blick auf die Kieler Förde. Ich liebe es, mit einer Tasse Tee in der Hand einfach auf das Meer zu schauen.

Aber wenn man mit Hund unterwegs ist, dann verlässt man ja zwangsläufig mehrmals am Tag das Haus, was auch wieder gut ist. Denn draußen verändert sich die Perspektive auf das Meer und manchmal sogar das Wetter ganz schlagartig. Pünktlich zu den morgendlichen Gassirunden geht im Winter die Sonne auf und das ist in den Dünen von Laboe besonders schön, selbst wenn die Sonne sich hinter dicken Wolken versteckt. Ob man früher oder später dran ist, merkt man hier auch ohne Uhr oder sichtbaren Sonnenstand daran, dass entweder die große StenaLine-Fähre bereits zu Beginn oder erst gegen Ende des Spaziergangs an einem vorbeizieht.

Schwedeneck: Feiertag und Sonnenschein

Ja, selbst an einem grauen Novembertag genieße ich es, am Meer zu sein. Trotzdem ist es natürlich noch viel besser, wenn die Sonne scheint. Dann wird es auch in Laboe voll.  Kinder, Hunde, Jogger bevölkern den Strand und die Promenade. Nie ist es zu dieser Jahreszeit überfüllt. Aber mit einem Hund wie Bobby, der auf jeden Reiz reagiert, macht es dann trotzdem keinen Spaß mehr. So fuhren wir an dem einen wunderbaren Sonnentag, der zudem auch noch ein Feiertag war, in das etwas nördlicher gelegene Schwedeneck.Sogar hier, im abgelegenen Dänisch-Nienhof, wo wir zu unserer kleine Wanderung entlang der Steilküste aufbrachen, war einiges los.  Aber es gibt Tage, da trifft man ausschließlich lächelnde Menschen. Das war so ein Tag. Die wärmende Wintersonne oder auch der Ort selbst könnten dafür verantwortlich sein. Im Schwedeneck steht das Meer und die Natur im Mittelpunkt. Nichts stört den Blick und die Ruhe.

Ein Grund, weswegen hier in Dänisch-Nienhof vielleicht etwas mehr los ist als anderswo im Schwedeneck, ist bestimmt auch das Restaurant StrandHaus. Das letzte Mal war ich unter der Woche und bei dichtem Nebel dort. Und während ich eine wärmende Kürbissuppe löffelte, schaute ich auf das Meer, das wieder mal nur schemenhaft und doch so eindeutig vor den großen Fenstern auszumachen war. Herrlich war das.

An diesem sonnigen Feiertag standen die Leute Schlange vor dem Lokal. Schade, man kann halt nicht alles haben. So fuhren wir zurück nach Laboe in unsere Ferienwohnung, kuschelten uns ein und beobachteten das bunte Treiben am Strand bis die Sonne als Feuerball eindrucksvoll unterging.

Hohwachter Bucht: Pudel und Flunder

Dann sahen wir die Sonne eine ganze Zeit nicht wieder. Tiefliegende Wolken und zeitweiser Regen hielten sich hartnäckig. Wir verbrachten viel Zeit auf dem Sofa und vor dem Panoramafenster. Jedes Mal wenn es tutete und brummte, waren wir gespannt, was für ein Schiff wohl gleich aus dem Nebel auftauchen würde.

An unserem letzten Urlaubstag war ab mittags eine Wetterbesserung angesagt. So starteten wir bei immer noch andauernden Regen zu einem Ausflug an die Hohwachter Bucht. Dort spazierten wir oberhalb des Strandes entlang der Steilküste und als wir an der „Flunder“, der außergewöhnlichen Seebrücke von Hohwacht ankamen, brach tatsächlich die Sonne durch. Das alte Seebad Hohwacht hat einen ganz eigenen Reiz. Der Strand wird von bunten Badehäuschen gesäumt, die zu den hübschen Jugendstilvillen oben auf der bewaldeten Steilküste gehören. Im Winter jedenfalls strahlt dieser Ort eine wunderbare Beschaulichkeit aus.

Auf’s Meer blicken von der Aussichtsplattform oben auf der Steilküste von Hohwacht

Von Hohwacht aus fuhren wir ins benachbarte Behrensdorf, ein winziges Örtchen, von dem aus man ausgedehnte Wanderungen durch die Salzwiesen machen oder einfach am großen Sandstrand entlanglaufen kann (im Winter mit Hund natürlich überall erlaubt!). Aber wir hatten Hunger und ein anderes Ziel, den See-Pudel. Der Name gefiel uns (Bobby ist ja immerhin ¾ Pudel) und als wir lasen, dass es sich beim See-Pudel um den kleinen Bruder des bekannten (und legendären?) Goldenen Pudel Club aus Hamburg handelt, waren wir erst recht neugierig.

Wir wurden freundlich begrüßt. Zum Glück waren genug Plätze frei in der kleinen, rustikalen Gaststätte. Aber wie sollte es anders sein, Bobby war der Ehrengast. Die Kellnerin wusste genau, was ein Pudel mag. Sie ging in die Hocke und sprach mit Bobby ganz ruhig auf Augenhöhe, während sie ihm die Ohren und den Hals kraulte. Nun kam auch der Koch dazu, der eigentlich etwas Respekt vor großen Hunden hätte, sagte er. Er brachte ein Wiener Würstchen aus der Küche mit und reichte es Bobby ganz vorsichtig. Bobby sah den jungen Mann an (auch Bobby hat vor Männern grundsätzlich ein wenig Respekt) und nahm ihm ebenso vorsichtig das Würstchen aus der Hand. Irgendwie waren alle glücklich in dem Moment. Das Glück hielt dann noch etwas länger an, während wir den Burger vom Highland Rind (das hier vor der Haustür gegrast hat) aßen und Bobby selig auf dem einfachen Holzboden lag und sehnsuchtsvoll Richtung Küche schaute.

Strand von Behrensdorf in der Hohwachter Bucht

Laboe mit Hund: Im Winter einfach perfekt

Auch wenn es diesmal nur knapp vier Tage im November an der Ostsee waren und auch nur an einem Tag die Sonne wirklich schien, war es für mich eine perfekte Auszeit. Da Laboe kein reiner Touristenort und Kiel nicht weit weg ist, hat man dort auch im Winter eine recht gute Infrastruktur mit geöffneten Geschäften und Lokalen. Fischbrötchen und Wein mit Blick auf den Hafen – das gehört einfach dazu.

Ab November sind fast alle Strände an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste für Hunde freigegeben. In Laboe gefällt mir das große Dünengebiet besonders gut. Dort kann man gerade mit einem etwas nervösen Hund wie Bobby wunderbar ungestört zwischen den Dünen spazieren gehen und den großen Schiffen dabei zuschauen, wie sie in die Kieler Förde ein- und ausfahren.

Bis spätestens im nächsten Winter, Laboe!

19 Gedanken zu “Wenn weniger Meer ist – Ostsee im Winter

  1. Das ist unsere Urlaubsregion, hier haben wir uns in die Gegend verliebt und entschlossen immer hier zu leben.
    Deine Ferienwohnung haben wir schon oft von außen bewundert 😜. Wir lieben auch den Winter hier und die leckeren Fischbrötchen an dem kleinen Stand am Hafen.
    LG Anja und Charly 🙋🏻‍♀️🐶

    Gefällt 2 Personen

    1. Das kann ich sehr gut verstehen! Wir haben tatsächlich nach unseren ersten Aufenthalten in Laboe auch schon mal darüber nachgedacht, an die Küste zu ziehen. Das Meer tut einfach der Seele so gut. An dem Stand am Hafen haben wir einmal, weil wir nicht widerstehen konnten, ein ganzen Fischpaket kurz vor unserer Abreise gekauft. Das hat dann unsere Auto während der Rückreise ziemlich „parfümiert“. Der Fisch war aber total lecker 🙂 Ganz liebe Grüße an die Küste von Andrea

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    1. Im Winter können Hunde an allen Stränden ohne Leine laufen, außer in ausgewiesenen Naturschutzgebieten (da gibt es ein paar Vogelschutzgebiete). Zur übrigen Zeit ist das Dünengebiet in Laboe der Hundestrand, was sehr schön ist, aber im Sommer bestimmt auch recht überlaufen. Allgemein habe ich die Ostsee als sehr hundefreundlich kennengelernt. Wir sind aber immer nur in der Nebensaison, bzw. im Winter da … Liebe Grüße von Andrea

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  2. Liebe Andrea, wie gern ich diesen Beitrag gelesen habe! Besonders freue ich mich über den Tipp in Behrensdorf. Ich bin fassungslos, dass ich noch nie vom See-Pudel gehört habe. Mit dem (tatsächlich legendären) Goldenen Pudel verbinde ich eine Menge Gutes. Den kleinen Bruder muss ich unbedingt kennen lernen. Vielen Dank also und liebe Grüße, Stefanie

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Stefanie, ich freue mich sehr über deinen Kommentar! Im Winter haben ja viele Restaurants und Cafes geschlossen. Da schauen wir immer bei Google Maps nach geöffneten Lokalen in der Nähe und so haben wir auch den Seepudel entdeckt. Ich habe dann tatsächlich direkt in eurem Reiseführer geschaut (ja, ich habe ihn endlich gekauft 🤗), ob er dort erwähnt ist… Bin gespannt, wie dir der „kleine“ Pudel gefällt. Liebe Grüße von Andrea

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